Individualisierte Medizin: Therapeutisches Drug Monitoring und Pharmakogenetik am Beispiel der Psychopharmaka

Vortragsveranstaltung

Ort

Labor Lademannbogen
Lademannbogen 61
22339 Hamburg

Datum

19.06.2012 um 20:00 Uhr

Anmeldung

Zur Online-Anmeldung: Individualisierte Medizin: Therapeutisches Drug Monitoring und Pharmakogenetik am Beispiel der Psychopharmaka

Alternativ können Sie uns für die Teilnahmezusage eine E-Mail (info(at)labor-lademannbogen(dot)de) zuschicken oder uns unter der Telefonnummer 040 / 53805-0 benachrichtigen. Als Besucher sind Sie an diesem Abend unter der Telefonnummer 040 / 53805-791 zu erreichen.

Hinweis

Downloads: am Ende dieser Seite finden Sie ausgewählte Vorträge und weiterführende Informationen (siehe "Dateien zum Download").

 

Die Bewertung der Fortbildungsveranstaltung mit 4 Punkten ist bei der Fortbildungsakademie der Ärztekammer Hamburg beantragt. Bei der Apothekerkammer Hamburg sind 2 Kompetenzpunkte beantragt.

Programm

20.15 Uhr   Priv.-Doz. Dr. Stephan Niemann
Begrüßung und Einführung

20.20 Uhr   Dr. Harald Ertl
Individualisierte Medizin und Medikamentenspiegelbestimmungen:
Grundlegende Aspekte und Beispiele zum TDM

20.45 Uhr   Prof. Dr. Ralf Lichtinghagen
Klinischer Wert von pharmakogenetischen Untersuchungen am Beispiel von Psychopharmaka

21.20 Uhr   Priv.-Doz. Dr. Dr. Dipl.-Psych. Niels Bergemann
TDM von Psychopharmaka in Schwangerschaft und Stillzeit

zum Thema:

Individualisierte Medizin
Individualisierte Medizin ist – trotz oder gerade aufgrund zunehmender Aktualität des Themas – ein schwammiger Begriff. Personalisierte Medizin bzw. patientenorientierte Medizin sind verwandte Begrifflichkeiten. Historisch neu ist die Einbeziehung individueller genetischer Eigenschaften von Patienten in Form von (pharmako)genetischer Diagnostik. Die Individualität eines Patienten ist aber weit mehr als das Genom: Faktoren wie z. B. Leber- und Nierenfunktion, Gewicht, Geschlecht, Alter, Nahrung sowie Genussgifte und Medikation müssen ebenso beachtet werden. Spezielle Patientengruppen, z. B. Schwangere, Kinder und ältere Menschen, sind zu berücksichtigen.

Medikamentenspiegelbestimmungen (TDM)
In der Arzneimitteltherapie bieten sich in vielen Fällen Medikamentenspiegelbestimmungen (TDM) als Basisdiagnostik an. Mit dem TDM wird nicht “nur“ die Compliance geprüft, sondern auch alle oben genannten Faktoren der Individualität eines Patienten beeinflussen den Messwert. Auffällige Konstellationen können Anlass für eine genetische Abklärung sein. Individualisierte Medizin ist deutlich mehr als (Pharmako)Genetik, welche aus verschiedenen Gründen im Routine-Labor bislang noch eine Ausnahme ist.
Allerdings ist davon auszugehen, dass die Bedeutung gerade der Pharmakogenetik in Zukunft größer werden wird. Dies gilt auch im Bereich der Psychopharmaka-Therapie, bei der sich TDM und pharmakogenetische Tests bereits heute sinnvoll ergänzen.


Klinischer Wert der Pharmakogenetik
Personalisierte Medizin sollte langfristig davon profitieren, dass durch den Zugewinn aktueller und zukünftig geprüfter pharmakogenetischer Studienergebnisse die Wirksamkeit medikamentöser Therapien gesteigert und die Frequenz vermeidbarer Arzneimittelnebenwirkungen deutlich reduziert werden kann. Dieses sollte letztlich auch Effizienz und Effektivität in der Behandlung des Patienten sowie die Kostengestaltung im Gesundheitswesen verbessern. Während sich die TPMT-Phäno-/ Genotyptestung vor Azathioprin-/ Mercaptopurin-Therapien im klinischen Alltag immer mehr durchsetzt, sind Genotyp-Analysen gerade bei den polymorphen Cytochrom P450-Isoenzymen zurzeit kaum in der klinischen Praxis etabliert. Die Bestimmung z. B. der Isoenzyme 2D6 und 2C19 vor einer medikamentösen Unterstützung einer psychiatrischen Behandlung hat bislang nur in Ausnahmefällen Einzug in die Diagnostik gehalten. Unumstritten ist bei diversen Neuropharmaka ein Genotyp-abhängiger Einsatz bzw. eine Anpassung der Dosis.


TDM in Schwangerschaft und Stillzeit
Aufgrund von klinisch relevanten pharmakokinetischen Veränderungen, insbesondere des hepatischen Metabolismus über das Cytochrom-P450-System, kann es in der Schwangerschaft bei unveränderter Dosierung von Psychopharmaka zu Veränderungen des Medikamentenspiegels kommen. Dies kann zu unerwünschten Nebenwirkungen bei der Mutter und zu einer Intoxikation des Fetus führen. Bei einer erhöhten Metabolisierungsrate hingegen kann sich ein Wirkspiegelverlust einstellen, der eine Exazerbation der Erkrankung mit allen negativen Folgen für Mutter und Kind zur Folge haben kann. Das therapeutische Drug-Monitoring in der Schwangerschaft ermöglicht ein optimales, individuell angepasstes Dosisregime für Frauen, bei denen eine Psychopharmakotherapie in der Schwangerschaft erforderlich ist.