Humangenetik

Saccharase-Isomaltase-Defizienz, kongenitale

SI

Material

2 mL EDTA-Blut

OMIM

609845

Verfahren

Nachweis von Mutationen im SI-Gen durch PCR und Sequenzierung

Klinische Relevanz

Mutationsanalyse bei Patienten mit chronisch wässriger und saurer Diarrhoe bis hin zur Dehydratation, Übelkeit und Erbrechen, abdominalen Schmerzen und Krämpfen, Bauchdehnung und Flatulenz, generell Kolitis-ähnlichen Symptomen, Unter- und Mangelernährung mit Gewichtsverlust, idiopathischer Anfälligkeit gegenüber viralen Infekten, Kupfer-Malabsorption, Gedeih- und Wachstumsstörungen, Hyperkalzämie und Nephrokalzinose

Anmerkungen

Kongenitale Saccharase-Isomaltase-Defizienz (auch Disaccharid-Intoleranz I, Saccharose-Intoleranz, SI-Defizienz, Kongenitale Saccharose-Isomaltose-Malabsorption oder CSID) ist ein autosomal rezessiv vererbter Enzymmangel, der zu einer Di- und Oligosaccharid-Intoleranz führt und sich i. d. R. im Kindesalter beim Wechsel von laktosehaltigen zu saccharose- und stärkehaltigen Lebensmitteln manifestiert. Die Prävalenz von CSID in der europäisch-stämmigen Bevölkerung wird auf 1 : 5000 (0,02%) geschätzt, etwa 2 - 9% sind heterozygot mit häufig intermediären Enzymwerte und milden Symptomen im Säuglings- oder Kindesalter. Der Saccharase-Isomaltase-Komplex (SI) wird durch das SI-Gen kodiert und liegt als transmembranes Protein auf der Oberfläche der Bürstensaummembran der Enterozyten im Dünndarm vor. Dort katalysiert er die Spaltung des Zweifachzuckers Saccharose in Glukose und Fruktose sowie die Spaltung von Abbauprodukten, die bei der Verdauung von Stärke entstehen. Bei der Erkrankung kommt es infolge eines Gendefekts zu einem Funktionsverlust bzw. Fehlen des Enzyms Saccharase und einer individuell verminderten Isomaltase-Aktivität. Klinisch imponieren eine osmotische Diarrhoe sowie Übelkeit, Erbrechen, Flatulenz, abdominale Schmerzen und Krämpfe, wobei eine chronische Malabsorption von Disacchariden bei unbehandelten CSID-Patienten auch zu Unterernährungserscheinungen sowie Gedeih- und Wachstumsstörungen führen kann. Sowohl Ausprägung, als auch Schwere der einzelnen Symptome kann, je nach vorliegender Genmutation und aufgrund kombinatorischer Effekte mit ggf. anderen heterozygoten Mutationen, stark variieren, wobei die Schwere der Symptome im Erwachsenenalter z. T. deutlich abnehmen. Vor allem Stärke wird bei einem Teil der Patienten zunehmend besser vertragen. Aufgrund der phänotypischen Heterogenität und der unspezifischen Symptome vergehen meist 1 bis 18 Monate, in Einzelfällen auch mehrere Jahre zwischen Auftreten von Symptomen und korrekter Diagnose. Die häufigsten Differenzialdiagnosen sind Nahrungsmittelallergien, Kuhmilchprotein- oder Soja-Protein-Intoleranz, Laktose- oder Fruktose-Intoleranz (siehe Laktose-Intoleranz, primäre adulte und Fruktose-Intoleranz, hereditäre), virale Gastroenteritis, Glukose-Galaktose-Malabsorption (siehe Glukose-Galaktose-Malabsorbtion), allergische Gastroenetropathie, Cystische Fibrose (siehe Cystische Fibrose (CF), Mukoviszidose), Zöliakie, Entzündung des Magenpförtners, Influenza, Kindsdurchfall, Reizdarmsyndrom und Colitis.

 

Diagnose

Diagnostisch wegweisend ist ein positiver H2-Atemtest nach Einnahme von Saccharose sowie ein Stuhl-pH-Wert von unter 6,0. Auch ein therapeutischer Test mit Sacrosidase (siehe Therapie) mit merklicher Abnahme der Symptome innerhalb von 1 - 2 Wochen kann durchgeführt werden. Abgesichert wird das Ergebnis durch eine Biopsie der Dünndarmmukosa, wobei eine verminderte SI-Aktivität festgestellt wird. Die Mutationsanalyse des SI-Gens bietet hier eine schnelle, sichere und für den Patienten weniger belastende Alternative und ermöglicht zudem die Abgrenzung gegenüber einer sekundären SI-Defizienz.

 

Therapie

Eine Behandlungsmöglichkeit besteht in der diätetischen Beschränkung bezüglich Saccharose sowie Stärke mit hohem Amylopektin-Anteil. Eine Alternative bietet die Enzymersatz-Therapie unter Einsatz von Sacrosidase (Saccharase aus Hefe), die die Verdauung einer limitierten Menge Saccharose erlaubt. Letztere erwies sich als hochwirksam.

Anforderungsscheine

Stand: 18.06.2018

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