Porphyrie-Diagnostik

Porphyrien sind Funktionsstörungen der Häm-Biosynthese. Jede Porphyrie-Form ist durch eine spezifische Enzymdefizienz gekennzeichnet, die mit Ausnahme der chronisch hepatischen Porphyrie stets durch einen spezifischen Gendefekt verursacht ist. Die Porphyrien können nach pathogenetischen Prinzipien in hepatische und erythropoetische Formen sowie in akute und chronische Porphyrieformen eingeteilt werden. Leitsymptome akuter Porphyrien sind abdominelle Koliken und neurologische Symptome. Hierzu gehören u.a. die akute intermittierende Porphyrie, die Porphyria variegata und die hereditäre Koproporphyrie. Klinisches Leitsymptom der nicht-akuten Porphyrie sind kutane Symtome, insbesondere Lichtsensibilität.

Stufen-Diagnostik:

Als Basisdiagnostik zur Beurteilung von Erkrankungen des Porphyrinstoffwechsels ist neben der Bestimmung von Porphobilinogen (PBG) und Aminolävulinsäure (ALS) die gleichzeitige Auftrennung der Porphyrine im Sammelrin sinnvoll.
Bei kutanen Symtomen ist auch die Bestimmung der Porphyrine in den Erythrozyten sinnvoll (kann aber auch im Rahmen der Stufendiagnostik in einem 2. Schritt erfolgen). Nur bei terminaler Niereninsuffzienz ist die Analyse von Serum/Plasma sinnvoll.

Für eine weitere Differentialdiagnostik ist ggf. eine Bestimmung der Porphyrine im Stuhl, in den Erythrozyten und in Einzelfällen auch im Plasma hilfreich, ggf. ergänzt durch die Messung einzelner Enzymaktivitäten.

Abschließend kann eine genetische Abklärung sinnvoll sein, auch bei Familienangehörigen.

Weitere Informationen zur Porphyrie-Stufendiagnostik:

Schema der Porphyrie-Stufendiagnostik im Einsender-Labor

1. Basisdiagnostik:

   5-Aminolävuinsäure im Urin

   Porphobilinogen im Urin

   Porphyrin-Auftrennung (bzw. Gesamt) im Urin

   bei ausschließlich kutanen Symptomen: + Erythrozyten-Porphyrine im EDTA-Blut

   bei terminaler Niereninsuffizienz: + Porphyrine im Serum/Plasma

2. Ergänzende Parameter im Rahmen der Stufendiagnostik:

  Porphyrine im Stuhl (Gesamt bzw. Auftrennung)

  Erythrozyten-Porphyrine im EDTA-Blut

  Zink-Protoporphyrin im EDTA-Blut

  im Einzelfall (mit Einschränkungen): Enzymaktivitätsbestimmungen im Heparin-Blut

  abschließende Diagnostik (z.T. obligat, s. unten): molekulargenetischer Nachweis

 

Übersicht über die Porphyrien: Pathogenese, Gentests, Therapie

Die Porphyrien können nach den betroffenen Organen, dem ursächlichen Gendefekt und nach dem Vorliegen kutaner Symptomen unterteilt werden.

Bei denjenigen Porphyrien, die mit "GEN!" gekennzeichnet sind, ist ein molekulargenetischer Test zur Sicherung der Diagnose stets zwingend erforderlich. Darüberhinaus kann ein Gentest auch bei Hinweisen auf eine andere Porphyrie bzw. bei unklaren Konstellationen notwendig sein. Bei allen Porphyrie-Formen sind gezielte Gentests zudem zur Untersuchung von Familienangehörigen sinnvoll, sofern vorher die Diagnose des Patienten molekulargenetisch gesichert wurde.

Akute hepatische Porphyrien:

AIP = Porphyrie, Akute intermittierende Porphyrie (bei atypischer AIP: GEN!)

PV = Porphyrie, Porphyria variegata (GEN!)

HCP = Porphyrie, Hereditäre Koproporphyrie (GEN!)

ALAD = Porphyrie, ALAD-Mangel-Porphyrie (Doss-Porphyrie ALSDP, PGB-Synthase-Defekt-Porphyrie)

Chronische hepatische Porphyrien:

PCT = Porphyrie, Porphyria cutanea tarda

HEP = Hepatoerythropoetische Porphyrie (schwerer verlaufende, homozygote Form der PCT)

daneben gibt es auch eine toxische, nicht-hereditäre (erworbene) PCT

Erythropoetische/Erythro-hepatische Porphyrien:

EPP = Porphyrie, Erythropoetische Protoporphyrie

CEP = Porphyrie, Congenitale erythropoetische Porphyrie, Morbus Günther

XLDPP = Porphyrie, X-chromosomal-dominante Protoporphyrie (= XDEPP, GEN!)

 

Sekundäre Porphyrien / Blei-Intoxikation:

Sekundäre Porphyrien sind nicht-hereditär (erworben), pathobiochemisch keine Porphyrien und asymptomatisch.

Bei einer Schwermetall-Intoxikation z.B. mit Blei kann es jedoch zu einer akuten toxischen Porphyrie kommen.

 

Übersicht Porphyrien nach dem Vorliegen kutaner Symptome:

Leitsymptome sind - neben den kutanen Symtomen - insbesondere abdominelle Koliken und neurologische Symptome.

- Nichtkutane Porphyrien: AIP und ALAD

- Kutane Porphyrien: PCT, HEP, PV, HCP, CEP, EPP, XDEPP

  

Übersicht über potentiell Attacken-auslösende Medikamente bei akuten Porphyrien:

Die Gabe von bestimmten Medikamenten kann (wie auch Alkohol, starker Stress oder eine Infektion) beim Vorliegen einer akuten Porphyrie eine Attacke auslösen (porphyrinogene Medikamente). Andere Medikamente gelten als weitgehend sicher.

  Sicher Umstritten Potenziell auslösend
i.v.-Anaesthetika Propofol <- Ketamin Barbiturate
    Etomidat -> Diazepam
  Promethazin  <- Midazolam Flunitrazepam
     <- Lorazepam Clonazepam
Analgetika Morphin  <- Alfentanila  
  Pethidin  <- Sufentanila Pentazocin
  Fentanyl <- Remifentanila
  Buprenorphin    
  Paracetamol   Diclofenac
  Acetylsalicylsäure    
    Ibuprofen  
Inhalationsanästhetika Lachgas Halothan Enfluran
     <- Isofluran  
     <- Sevoflurana  
     <- Desflurana  
     <- Xenona  
Muskelrelaxanzien Succinylcholin Vecuronium Pancuronium
    Atracurium Alcuronium
    Cis-Atracuriuma  
    Mivacuriuma  
  Rocuroniuma  
Lokalanästhetika Procain Ropivacaina  <- Lidocain
  Bupivacain Prilocain ->  
Sonstige Penicilline Tetrazykline Sulfonamide
  Cephalosporine Chloramphenicol Erythromycin
  Nitroglyzerin   Clonidin
  Nitroprussid   Nifedipin
  Propranolol   Methyldopa
  Digoxin   Theophyllin
  Glucocorticoide   Ergotalkaloide
  Etacrynsäure   Östrogene
  Naloxon   Furosemid
  Neostigmin   Metoclopramid
  Atropin Glycopyrrolata Sulfonylharnstoff

a: Keine Literatur vorhanden oder nur wenige Kasuistiken. Die Pfeile weisen auf eine Zuordnung der Substanz in eine andere Kategorie durch verschiedene Autoren hin (s. auch Anhang der Roten Liste 2003, Editio Cantor Verlag, allerdings seit 2010 nicht mehr verfügbar).

Quelle: ORPHAN Europe „Die akuten Porphyrien – Eine Informationsbroschüre für Ärzte“ 2. Auflage 2011, Hrsg. Prof. Dr. med. Petro E. Petrides

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