Humangenetik

Multiple Endokrine Neoplasie Typ 2 A/B FMTC (MEN2A, MEN2B, FMTC)

RET

Material

2 ml EDTA-Blut

OMIM

164761

Verfahren

Nachweis aller Mutationen in den Exons 5, 8, 10, 11, 13, 14, 15, 16 des RET-Gens nach PCR und Sequenzierung

Klinische Relevanz

Mutationsanalyse bei medullärem SD-Karzinom (C-Zellkarzinom) und C-Zellhyperplasie der Schilddrüse, adrenalem Phäochromozytom, Hyperparathyreoidismus, positivem oder grenzwertigen Calcitonin-Stimulationstest, präsymptomatischer Untersuchung von Familienmitgliedern betroffener Patienten

Anmerkungen

Die durch Mutationen des RET-Gens verursachten Syndrome der multiplen endokrinen Neoplasie Typ 2 (MEN 2A (Sipple-Syndrom) und MEN 2B) und das familiäre medulläre Schilddrüsenkarzinom (FMTC) werden autosomal dominant vererbt. Sie kommen mit einer Häufigkeit von etwa 1 : 30000 vor und können im Kleinkindalter auftreten. Charakteristisch für alle drei Erkrankungen sind die aus einer Hyperplasie der Calcitonin-produzierenden C-Zellen der Schilddrüse hervorgehenden C-Zell- oder medulläre Schilddrüsenkarzinome. Während beim FMTC keine weiteren Organe betroffen sind, entwickelt die Mehrzahl der MEN 2A-Patienten zusätzlich Phäochromozytome der Nebennieren und eine teilweise von einem Hyperparathyreoidismus begleitete Nebenschilddrüsenhyperplasie.

Bei MEN 2B-Patienten fehlt die Nebenschilddrüsenbeteiligung. Hier finden sich in Assoziation mit medullären Schilddrüsenkarzinomen und adrenalen Phäochromocytomen eine mukosale Ganglioneuromatose (z. B. der Mundschleimhaut, Konjunktiva und der Lippen) und ein marfanoider Habitus. Für die Prognose von MEN 2A- und MEN 2B-Patienten bestimmend ist das gelegentlich schon früh metastasierende medulläre Schilddrüsenkarzinom, für dessen Therapie bislang nur chirurgische Maßnahmen geeignet sind. Mutationsträger entwickeln mit hoher Wahrscheinlichkeit im Laufe ihres Lebens ein medulläres Schilddrüsenkarzinom. Die Penetranz ist mit 70% sehr hoch. Angehörige betroffener Familien müssen sich deshalb in 6- bis 12monatigen Abständen bis ins hohe Lebensalter einem biochemischen Screening unterziehen, bei dem unter Pentagastrin-Stimulation Serum-Calcitoninspiegel bestimmt werden. Erhöhte Calcitonin-Serumwerte deuten auf eine C-Zellhyperplasie oder ein C-Zellkarzinom hin. Durch frühzeitige genetische Diagnosesicherung und chirurgische Intervention möglichst vor Karzinombildung (gegebenenfalls prophylaktische Thyreoidektomie) ist eine Heilung der C-Zellerkrankung möglich. Familienangehörige, für die ein genetischer Defekt ausgeschlossen werden kann, bedürfen keiner weiteren biochemischen Überwachung. Eine allelische Variante ist der Morbus Hirschsprung.

Anforderungsscheine

Stand: 18.06.2018

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