Humangenetik

Kolonkarzinom mit Polyposis, familiäre adenomatöse Polyposis coli

APC, MUTYH

Material

2 ml EDTA-Blut

OMIM

611731, 604933

Verfahren

Nachweis von Mutationen im APC- und / oder MUTYH-Gen durch PCR und ansschließende Sequenzierung sowie Nachweis von Deletionen / Duplikationen mittels MLPA

Klinische Relevanz

V. a. familiäre adenomatöse Polyposis coli (FAP), attenuierte FAP oder MUTYH-assoziierte Polyposis

Anmerkungen

Die familiäre adenomatöse Polyposis coli (FAP) ist klinisch charakterisiert durch das Auftreten multipler (mehr als 100) kolorektaler Adenome, vor allem im distalen Dickdarmbereich, aber auch im Duodenum. Unbehandelt entwickeln die meisten Betroffenen vor dem 40. Lebensjahr ein Kolonkarzinom. Die Kolonsymptomatik kann begleitet sein von Osteomen (90%), einer charakteristischen kongenitalen Hypertrophie des retinalen Pigmentepithels (80%), Hautneoplasien (50%), Drüsenkörperzysten des Magens (40%), Zahn-und Kieferanomalien (17%) oder Desmoiden (15%). In seltenen Fällen kann es auch zum Auftreten von Schilddrüsenkarzinomen, Medulloblastomen, Hepatoblastomen oder auch Astrozytomen kommen. In der Mehrzahl der Fälle manifestiert sich die klassische FAP zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Bei einer Variante der klassischen Form, der attenuierten adenomatösen Polyposis coli, kann die klinische Manifestation später liegen. Eine allelische Variante der FAP ist das Gardner-Syndrom.

 

FAP wird durch Mutationen im APC-Gen verursacht. Der Erbgang ist autosomal dominant und die Penetranz beträgt nahezu 100%. Bei etwa 25% der Patienten treten die Mutationen neu auf, so dass häufig auch bei sporadischen FAP-Patienten ohne familiäre Belastung Mutationen gefunden werden. Die molekulargenetische Analyse des APC-Gens erlaubt eine sichere, auch präsymptomatische Identifizierung von FAP-Patienten und ermöglicht auch die klinisch schwierige Abgrenzung der attenuierten Verlaufsform von dem HNPCC-Syndrom.

 

Eine seltenere Form der adenomatösen Polyposis coli wird autosomal rezessiv vererbt und beruht auf Mutationen im MUTYH-Gen. Bei APC-negativen Patienten mit multiplen Polypen (insbesondere 10 - 100) findet sich in einem relevanten Anteil eine Mutation im MUTYH-Gen.

Anforderungsscheine

Stand: 18.06.2018

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