Humangenetik

Tumorzytogenetische Analysen

Chromosomenanalyse zur Leukämie-Diagnostik

Material

2 - 5 ml Knochenmarkaspirat (NH4-Heparin)

2 - 5 ml Heparin-Blut

Verfahren

Nachweis von Chromosomenveränderungen mittels konventioneller Chromosomenanalyse sowie ggf. Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierungen zum Nachweis spezifischer Fusionen, Translokationen oder Deletionen in Abhängigkeit von der Indikation.

Sonstiges

Fremdlaborleistung

Klinische Relevanz

Diagnostische Abklärung und Verlaufskontrolle bei

• Chronisch myeloischer Leukämie (CML)

• BCR-ABL1-negativer myeloproliferativer Neoplasien (MPN)

• Chronisch lymphatischer Leukämie (CLL)

• Akuter lymphatischer Leukämie (ALL)

• Multiplem Myelom (Plasmazell-Myelom)

• Myelodysplastischem Syndrom (MDS)

• Hypereosinophilem Syndrom (HES)

Anmerkungen

Chronisch myeloische Leukämie (CML)

Auf zytogenetischer Ebene liegt bei ca. 95% der Patienten eine Translokation zwischen einem Chromosom 9 und einem Chromosom 22 vor (Philadelphia-Translokation t(9;22)(q34;q11)). Die Mehrzahl der Patienten befindet sich bei Diagnose in der chronischen Phase, in der i. d. R. nur die Philadelphia-Translokation nachweisbar ist. Beim Übergang in die akzelerierte Phase oder Blastenkrise treten bei 75 - 85% der Patienten zusätzliche Chromosomenveränderungen auf (klonale Evolution). Als therapeutische Option besteht bei der CML die selektive Hemmung der BCR/ABL1-Tyrosinkinase durch Tyrosinkinasehemmer (z. B. Imatinib). Trotz der guten Effekte der Tyrosinkinasehemmer kann bei einer Minderheit der Patienten ein Nichtansprechen auf die Therapie vorliegen. Ursachen sind z. B. genetische Veränderungen, die zu einem Bindungsverlust von Imatinib führen, so dass bei diesen Patienten eine Änderung des Therapieplanes notwendig ist. Die BCR-ABL1-Translokation lässt sich auch molekulargenetisch nachweisen (s. Leukämie, chronisch myeloische (CML)).

 

BCR-ABL1-negative myeloproliferative Neoplasien (MPN)

Die wichtigsten Formen der BCR-ABL1-negativen myeloproliferativen Neoplasien sind die Polycythämia vera (PV), die primäre Myelofibrose (PMF, Osteomyelofibrose), die essentielle Thrombozythämie (ET) sowie weiterhin die unklassifizierbaren BCR-ABL1-negativen myeloproliferativen Neoplasien, die chronische Neutrophilen-Leukämie (CNL), die chronische Eosinophilenleukämie (CEL) und das hypereosinophile Syndrom (HES).

Bei den BCR-ABL1-negativen myeloproliferativen Neoplasien liegen vielfältige Chromosomenveränderungen vor, z. B. die Trisomie 8, die Trisomie 9 als auch strukturelle Chromosomenveränderungen, bei denen Gene involviert sein können, die für Tyrosinkinasen kodieren (therapeutische Bedeutung!), siehe Hypereosinophiles Syndrom (HES).

Für die BCR-ABL1-negativen myeloproliferativen Neoplasien stehen zusätzlich verschiedene molekulargenetische Marker zur Verfügung. Neben der Chromosomenanalyse bietet sich eine molekulargenetische Untersuchung des JAK2-Gens an (Mutation V617F sowie Mutationen in Exon 12; siehe JAK2-Gen), sowie ggf. eine Untersuchung des CALR-Gens und des MPL-Gens (s. Myeloproliferative Neoplasien, BCR-ABL1-negative).

 

Chronisch lymphatische Leukämie (CLL)

Mit der Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) und einem bestimmten DNA-Sonden-Panel lassen sich bei ca. 80% der CLL-Patienten Chromosomenveränderungen nachweisen. CLL-Patienten mit Deletionen von Chromosom 11q und 17p (TP53-Deletion) zeigen eine raschere Progressionen und kürzere Überlebenszeiten. Hingegen spricht das Vorliegen einer isolierten Deletion 13q für einen günstigeren Krankheitsverlauf. Insbesondere komplexe Chromosomenveränderungen und 14q32/IGH-Translokationen gehen mit einer schlechteren Prognose einher.

Molekulargenetisch können zwei CLL-Gruppen unterschieden werden: eine mit somatischen Mutationen in der variablen Region der Immunglobulin-Schwerketten-Gene (IgVH mutiert (Homologie <98%)) und eine andere ohne somatische Mutationen (IgVH unmutiert (Homologie >98%)). Letztere zeigen unabhängig vom Binet-Stadium einen ungünstigeren Verlauf und raschere Krankheitsprogredienz als Patienten mit mutierten IgVH-Genen. Die IgVH-Analyse bieten wir ebenfalls als Fremdlaborleistung an (Material: EDTA-Röhrchen).

 

Akute lymphatische Leukämie (ALL)

Die Chromosomenanalyse gehört heute zum diagnostischen Standard und gibt einen Überblick über den jeweiligen Karyotyp. Der Karyotyp ist notwendig für die Klassifikation der Erkrankung und hat i. d. R. prognostische und therapeutische Bedeutung. Die häufigste strukturelle Chromosomenveränderung bei der ALL ist die Philadelphia-Translokation t(9;22)(q34;q11) bzw. auf molekulargenetischer Ebene das BCR/ABL1-Rearrangement. Die Philadelphia-Translokation ist mit einer ungünstigen Prognose assoziiert. Mittels PCR kann auch eine schnelle gezielte Diagnose des BCR/ABL1-Rearrangements erfolgen (EDTA-Röhrchen).

 

Multiples Myelom (Plasmazell-Myelom)

Eine Deletion im Bereich des langen Arms eines Chromosom 13 oder eine Hypodiploidie (weniger als 46 Chromosomen) ist beim Multiplen Myelom nach WHO-Klassifikation als prognostisch ungünstig anzunehmen. Die Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) an angereicherten CD138-positiven Interphasekernen erlaubt daneben den Nachweis von Chromosomenveränderungen bei über 90% aller Patienten. Nach WHO-Klassifikation (2008) sind prognostisch ungünstig die mittels FISH nachgewiesenen Translokationen t(4;14)(p16.3;q32), t(14;16)(q32;q23) und t(14;20)(q32;q12) sowie die Deletion 17p13.1 (TP53-Deletion).

Prognostisch günstig sind nach WHO-Klassifikation (2008) das Fehlen der prognostisch ungünstigen Chromosomenveränderungen mittels Chromosomenanalyse, das Vorliegen einer Hyerdiploidie (mehr als 46 Chromosomen) mittels Chromosomenanalyse und der FISH-Nachweis der Translokationen t(11;14)(q13;q32) und t(6;14)(p21;q32).

 

Myelodysplastisches Syndrom (MDS)

Mit der Chromosomenanalyse ist eine Einteilung in zytogenetische Prognosegruppen möglich. Im sogenannten IPSS-Score (1997) wird ein unauffälliger Chromosomensatz, die alleinige Deletion 5q oder 20q sowie der Verlust des Y-Chromosoms als günstig beurteilt. Chromosomenveränderungen, die das Chromosom 7 betreffen sowie komplexe Chromosomenveränderungen (drei oder mehr Chromosomenveränderungen) gehen mit einer ungünstigen Prognose einher. Alle anderen Chromosomenveränderungen stehen für eine intermediäre Prognose. Daneben ist eine exaktere Einteilung in fünf zytogenetische Prognosegruppen möglich (IPSS-R (2012)).

 

Hypereosinophiles Syndrom (HES)

Das hypereosinophile Syndrom (HES) fasst eine heterogene Gruppe von Erkrankungen zusammen, die durch verschiedene Organmanifestationen einschließlich Hautbeteiligung gekennzeichnet sind. Eine persistierende Eosinophilie von >1500/?l im Blut für die Dauer von mindestens 6 Monaten gilt als Hauptsymptom. Das klinische Bild wird durch Abgeschlagenheit, Gewichtsabnahme, Fieber u. a. geprägt als auch durch einen Multiorganbefall (z. B. Beteiligung von Herz (Endomyokardfibrose), Nervensystem etc.). An der Haut werden unterschiedliche entzündliche Dermatosen beobachtet (z. B. erythematöse Flecke, Papeln, Ulzerationen, Blasen etc.). Zahlreiche Chromosomenveränderungen sind beschrieben, die nicht nur prognostische Bedeutung haben, sondern auch therapeutische Konsequenzen nach sich ziehen.

Anforderungsscheine

Stand: 18.06.2018

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