Humangenetik

Mikrodeletionssyndrome

FISH-Analyse

Material

5 ml Heparin-Blut

Mundschleimhautabstriche

OMIM

123450

Verfahren

Chromosomenanalyse und Nachweis einer Mikrodeletion mittels Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH); bei Einsendung von Mundschleimhautabstrichen ist nur eine FISH-Analyse ohne Darstellung der Chromosomen möglich.

Sonstiges

Fremdlaborleistung

Klinische Relevanz

Zur gezielten Anklärung bei Verdacht auf

• Cri-du-Chat-Syndrom (Mikrodeletion 5p)

• Miller-Dieker-Syndrom (Mikrodeletion 17p13)

• Williams-Beuren-Syndrom (Mikrodeletion 7q11.2)

• Wolf-Hirschhorn-Syndrom (Mikrodeletion 4p)

• Kallmann-Syndrom Typ 1 (Mikrodeletion Xp22.3)

• X-gebundene Ichthyose (Mikrodeletion Xp22.32)

Anmerkungen

Cri-du-Chat-Syndrom

Das Cri-du-Chat-Syndrom wird auch als 5p Deletions-Syndrom bezeichnet, da Betroffene einen Stückverlust im kurzen Arm eines Chromosoms 5 zeigen. Nur ein Teil der Deletionen sind mittels Chromosomenanalyse darstellbar, einige Patienten weisen eine submikroskopische Deletion auf, die i. d. R. mittels Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) erfasst werden kann. In den meisten Fällen liegt eine de novo Deletion vor, wobei das Ausmaß der Deletion variiert. In etwa 15% der Fälle findet sich ursächlich eine balancierte Translokation bei einem Elternteil, so dass für Geschwisterkinder ein erhöhtes Wiederholungsrisiko besteht.

 

Miller-Dieker-Syndrom

Das Miller-Dieker-Syndrom ist ein charakteristisches Syndrom mit Mikrozephalus, fazialen Auffälligkeiten (hohe Stirn, bitemporale Eindellungen, schmale Augenpartie), ausladendem Hinterkopf, schwerer Gedeih- und Entwicklungsstörung, sowie spezifischer Gehirnfehlbildung (Lissenzephalie). Innerhalb der Chromosomenregion 17p13.3 befindet sich das Lissenzephalie 1 Gen (LIS1), welches ursächlich für die neuronale Migrationsstörung während der 9. - 13. Schwangerschaftswoche verantwortlich ist.

 

Williams-Beuren-Syndrom

Aufgrund der charakteristischen fazialen Auffälligkeiten, die meist im 2. - 3. Lebensjahr erkannt werden, existiert für das Williams-Beuren-Syndrom auch die Bezeichnung “Koboldgesicht-Syndrom”. Typisch sind eine kurze Nase mit etwas eingesunkener Nasenwurzel und leicht nach vorne gerichteten Nasenlöcher, die Lippen sind voll, evtl. hängend, wie auch die Wangen. Im Milchgebiß finden sich häufig weite Zahnzwischenräume, insgesamt sind Zahnanomalien nicht selten. Als häufige angeborene Fehlbildung findet sich die periphere Pulmonalstenose oder die supravalvuläre Aortenstenose. Betroffene sind in Wachstum und psychomotorischer Entwicklung verzögert, auffällig ist evtl. eine rauhe oder tiefe Stimme. Zum Teil treten Hyperkalzämien auf. Zwar wurden Eltern-Kind-Übertragungen beschrieben, in der überwiegenden Mehrheit aber tritt die Mikrodeletion sporadisch auf. Es liegt ein sog. contiguous-gene syndrome vor, da mehrere Gene ursächlich beteiligt sind.

 

Wolf-Hirschhorn-Syndrom

Das Wolf-Hirschhorn-Syndrom wird auch als 4p Deletions-Syndrom bezeichnet, da Betroffene einen Stückverlust im kurzen Arm eines Chromosoms 4 zeigen. Nur ein Teil der Deletionen sind in der konventionellen Chromosomendiagnostik darstellbar, einige Patienten weisen eine submikroskopische Deletion auf, die i.d.R. mittels FISH nachweisbar ist. Klassische Symptome sind die angeborene Dystrophie und faziale Dysmorphien, mit großflächiger Stirn, die in einen breiten, kaum eingesunkenen Nasenrücken übergeht (ähnelt den altgriechischen Soldatenhelmen), weitem Augenabstand und häufig Mikrozephalie. Meist finden sich zusätzliche Fehlbildungen (Iriskolobome und andere Augenanomalien, LKG-Spalten, Ohrdysplasie, Hypospadie, Kryptorchismus und vereinzelt Anomalien des ZNS, des Skeletts, des Herzens, der Nieren). In der Entwicklung fallen erhebliche Ernährungs- und Gedeihstörung, Muskelhypotonie, psychomotorische Retardierung und Krampfleiden auf. Der Schweregrad der Erkrankung steht im Zusammenhang mit der Ausdehnung der Deletion, je kleiner die Deletion, desto milder ist meist der Symptomkomplex. In den meisten Fällen liegt eine de novo Deletion vor. In etwa 10% der Fälle findet sich ursächlich eine balancierte Translokation bei einem Elternteil, sodass für Geschwisterkinder ein erhöhtes Wiederholungsrisiko besteht.

 

Kallmann-Syndrom

Der Verlust der sog. Kallmann-Region des X-Chromosom (Xp22.3) kann eine neuronale Migrationsstörung des ZNS bewirken, mit Fehlanlagen des Tractus bzw. des Bulbus olfactorius. Durch die hypothalamische Mitbeteiligung entsteht eine gestörte Hormonsekretion (z. B. LHRH-Sekretion). Als vollständige Symptomatik findet man einen hypogonadotropen Hypogonadismus mit Anosmie und auffälligem Habitus (eunuchoid). Knaben mit Kallmann-Syndrom können bei Geburt durch einen Kryptorchismus und Mikropenis auffallen. Der fehlende / geringe Geruchssinn wird in der Regel nicht beklagt, so dass häufig die ausstehende Pubertätsenwicklung Anlaß zur Diagnostik ist. Eine mentale Retardierung findet sich in Ausnahmefällen, meist bei Patienten mit einer größeren Xp Deletion.

 

X-gebundene Ichthyose

Verhornungsstörungen der Haut mit Schuppenbildung werden nach cutanen Befunden (z.B. Lokalisation) und extracutanen Zusatzbefunden klassifiziert. Die genetischen Ursachen sind vielfältig, zu den häufigsten angeborenen (oder im 1. Lebensjahr manifestierenden) Formen zählt die X-chromosomal rezessiv erbliche Ichthyose. Bei über 90% der Betroffenen findet sich ein Stückverlust im kurzen Arm des X-Chromosom (Xp22.32), wodurch die Steroidsulfatase (STS)- bzw. die Arylsulfatase-C-Aktivität verloren geht. Bei Konduktorinnen (Mütter betroffener Söhne) ist die Enzymaktivität auf 50% reduziert. Bei STS-Mangel in der Plazenta können aufgrund eines Östrogenmangels in der späten Schwangerschaft eventuell Komplikationen entstehen (geringes Geburtsgewicht, Geburtskomplikationen).

Anforderungsscheine

Stand: 18.06.2018

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