Humangenetik

Hyper-IgM-Syndrom

CD40LG, AICDA, CD40, UNG

Material

2 ml EDTA-Blut

OMIM

605257, 300386, 109535, 191525

Verfahren

Nachweis von Mutationen im CD40LG-Gen (HIGM1) durch PCR und anschließende Sequenzierung

Nachweis von Mutationen im AICDA-Gen (HIGM2) durch PCR und anschließende Sequenzierung

Nachweis von Mutationen im CD40-Gen (HIGM3) durch PCR und anschließende Sequenzierung

Nachweis von Mutationen im UNG-Gen (HIGM5) durch PCR und anschließende Sequenzierung

Klinische Relevanz

Mutationsanalyse bei Patienten mit V. a. ein Hyper-IgM-Syndrom

Anmerkungen

Unter dem Krankheitsbild Hyper-IgM-Syndrom (HIM-Syndrom, HIGM) wird eine Gruppe genetisch diverser Erkrankungen zusammengefasst, bei denen die Patienten nicht in der Lage sind, die Produktion von Antikörpern des Typs IgM auf den Typ IgG, IgA oder IgE umzustellen. Patienten mit einem Hyper-IgM-Syndrom weisen eine Hypogammaglobulinämie (Verminderung oder Fehlen der Immunglobulinklassen IgG und IgA) bei normalem oder erhöhtem IgM auf und zeigen eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Infektionen. Bei einzelnen Formen der Erkrankung kommt es zusätzlich zu Defizienzen bestimmter T-Zellfunktionen (kombinierte Immundefekte), so dass bei den Patienten auch opportunistische Infektionen (Kryptosporidien) und ein erhöhtes Risiko für maligne Erkrankungen (z. B. Hodgkin und Non-Hodgkin-Lymphome, Leber-, Pankreas-, und Gallengangskarzinome) beschrieben sind. Ursächlich liegt beim Hyper-IgM-Syndrom eine beeinträchtigte Interaktion zwischen T- und B-Lymphozyten vor, die zu einer Störung des Immunglobulin-Klassenwechsels führt.

 

Klinisch imponieren eine verstärkte Anfälligkeit für Infektionen der Atemwege (Pneumonien, Otitiden, Sinusitis, Sepsis, Lungenentzündung, Pneumocystis jirovecii, Cytomegalovirus, Cryptococcus), gastrointestinale Beschwerden (meist Durchfall und Malabsorption) und schwere Lebererkrankungen (sklerosierende Cholangitis mit konsekutiver Leberzirrhose, Cryptosporidium). Je nach Erkrankung können weitere Symptome vorliegen wie z. B. Neutropenie in Verbindung mit Mundgeschwüren (orale und rektale Ulzerationen an den Schleimhäuten), Proktitis und Infektionen der Haut, Vergrößerung der Lymphknoten oder Autoimmunstörungen, die sich in Form von chronischer Arthritis, Thrombocytopenie, hämolytischer Anämie, Schilddrüsenunterfunktion, Autoimmunhepatitis oder Nierensymptomatik manifestieren. Erste Symptome zeigen sich i. d. R. während des ersten oder zweiten Lebensjahres. Therapeutisch kommen v. a. die Behandlung mit Immunglobulinen aber auch Transplantationen von Knochenmark oder von Stammzellen aus dem Nabelschnurblut in Betracht. Unbehandelt kann das Hyper-IgM-Syndrom v. a. durch Pneumonien, viral bedingte Enzephalitiden oder Karzinome zum Tode führen.

 

Das Hyper-IgM-Syndrom wird in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle durch Mutationen in 4 verschiedenen Genen (Subtypen HIGM 1, 2, 3 und 5) verursacht. Die häufigste Form des Hyper-IgM-Syndroms HIGM1 ist durch einen Defekt oder Mangel des CD40-Liganden charakterisiert. Verursacht wird HIGM1 durch Mutationen im CD40LG-Gen. Es wird X-chromosomal rezessiv vererbt und betrifft zumeist Jungen. Weitere Mutationen lassen sich in den Genen für die Hyper-IgM-Syndrome 2 (AICDA-Gen), 3 (CD40-Gen) und 5 (UNG-Gen) nachweisen. Bis auf den autosomal rezessiven Vererbungsmodus entspricht der Phänotyp des HIGM3 dem des HIGM1. Der Verlauf sowie die Prognose des autosomal rezessiv vererbten HIGM2 sind günstiger. HIGM5 wird ebenfalls autosomal rezessiv vererbt und durch Defekte der Urazil-DNA Glykosylase verursacht.

Anforderungsscheine

Stand: 18.06.2018

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