Humangenetik

Fragiles X-Syndrom und FMR1-assoziierte Erkrankungen

FMR1

Material

2 ml EDTA-Blut

OMIM

309550

Verfahren

Bestimmung der Länge der CGG-Trinukleotidwiederholungen im FMR1-Gen mittels long-range- und fluoreszenzmarkierter PCR, Untersuchung der Methylierung mittels methylierungsspezifischer MLPA

Klinische Relevanz

CGG-Repeatanalyse im FMR1-Gen bei V. a. fragiles X-Syndrom bei mentaler Retardierung (Jungen und Mädchen), V. a. fragiles X-assoziiertes Tremor-Ataxie-Syndrom (FXTAS, vor allem bei Männern), FMR1-assoziierte prämature ovarielle Insuffizienz (POF), V. a. Konduktorinnen-Status

Anmerkungen

Das fragile X-Syndrom ist eine der häufigsten genetischen Ursachen einer mentalen Retardierung mit einer Prävalenz von 1 : 4000 im männlichen und 1 : 6000 im weiblichen Geschlecht. Jungen mit fragilem X-Syndrom zeigen in der Regel eine moderate bis schwere, Mädchen eine milde mentale Retardierung. Die Sprachentwicklung ist verzögert. Verhaltensauffälligkeiten wie Impulsivität sind nicht selten. Zu den fazialen Auffälligkeiten zählen ein langes schmales Gesicht mit prominenter Stirn und prominentem Kinn. Männer weisen eine Makroorchie auf. Da sich die fazialen Auffälligkeiten und die Makroorchie erst im Verlauf des Lebens entwickeln und damit im Kindesalter oft nicht hinweisend sein können, empfiehlt sich eine Untersuchung hinsichtlich eines fragilen X-Syndroms bei allen Jungen und Mädchen mit weitgehend isolierter mentaler Retardierung ohne bekannte Ursache. Der für das fragile X-Syndrom verantwortliche Gendefekt beruht auf der Verlängerung einer Trinukleotidsequenz im FMR1-Gen des X-Chromosom. Bei Normalpersonen liegen in der Regel bis zu 44 Kopien vor. Bei Betroffenen finden sich stets mehr als 200 und oft mehr als 1000 Kopien. Dieser vollen Expansion geht in der vorherigen Generation immer eine Prämutation (bis 200 Kopien) voraus. Die Konduktorinnen mit Prämutation zeigen eine normale geistige Entwicklung, haben jedoch ein erhöhtes Risiko eine vorzeitige ovarielle Insuffizienz zu entwickeln (POF, Risiko ca. 20%). Insbesondere Männer mit Prämutation können im höheren Lebensalter am fragilen X-assoziierten Tremor-Ataxie-Syndrom (FXTAS) erkranken.

 

Expansionsbereiche:

<45 Repeats: Normalbereich

46-54 Repeats: intermediärer Bereich, Expansion zur Prämutation möglich

55-200 Repeats: Prämutation

>200 Repeats: Vollmutation

Anforderungsscheine

Stand: 18.06.2018

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