Humangenetik

Diabetes insipidus renalis

AVPR2, AQP2

Material

2 ml EDTA-Blut

OMIM

107777, 300538

Verfahren

Nachweis von Mutationen im AQP2-Gen oder im AVPR2-Gen durch PCR und anschließende Sequenzierung

Klinische Relevanz

Mutationsanalyse bei Säuglingen mit wiederkehrendem Fieber unbekannter Ursache, bei Erbrechen, bei Trinkschwäche, bei Störung der körperlichen und geistigen Entwicklung; bei Erwachsenen mit Polyurie (3-25 Ltr. Urin pro Tag), Polydipsie (gesteigerter Durst), Asthenurie (Unvermögen zur Harnkonzentrierung), Hypernatriämie im Serum (Na>150 mmol/l ), erhöhter Plasmaosmolalität (>300 mOsm/kg)

Anmerkungen

Der Diabetes insipidus renalis (Wasserharnruhr) ist eine seltene Hormonmangelerkrankung (siehe Diabetes insipidus zentralis). Die Krankheit manifestiert sich bereits kurz nach der Geburt durch das Unvermögen zur Harnkonzentrierung. Klinisch imponieren bei Säuglingen wiederkehrendes Fieber, Erbrechen, Trinkschwäche und Störung der körperlichen und geistigen Entwicklung. Der Wasserhaushalt des Körpers ist gestört, da die Nieren nicht in der Lage sind, die Flüssigkeiten zu resorbieren. Die typische klinische Trias von Erwachsenen besteht daher aus Polyurie, die Urinmenge kann pro Tag 50 ml/kg übersteigen, Polydipsie und Asthenurie. Das Durstgefühl ist sowohl tagsüber als auch nachts gesteigert vorhanden. Durch die großen Urinausscheidungen und das dadurch bedingte Austrocknen des Organismus kommt es zu niedrigem Blutdruck, einem Austrocknen der Schleimhäute, einer so genannten Balkenblase und kann bis zu einer Schockreaktion führen. Unbehandelt ist die Lebenserwartung von einem Patienten mit Diabetes insipidus renalis um die Hälfte reduziert. Daher kommt einer frühen Diagnose eine besonders große Bedeutung zu.

 

Der Diabetes insipidus renalis kann als Folge einer Mutation in zwei verschiedenen Genen auftreten, dem Vasopressin 2-Rezeptor-Gen (AVPR2-Gen, V2-Rezeptor-Gen) und dem Aquaporin 2 (AQP2)-Gen. Liegt eine Mutation in dem AVPR2-Gen vor, kommt es zur Störung der Wasserhomöostase. Das AQP2-Gen kodiert Aquaporine am distalen Ende der renalen Sammelrohre. Auf Grund von Mutationen im AQP2-Gen kommt es zu einer Störung der Wasserresorption. Der Vasopressin 2-Rezeptor steuert v. a. die Expression des AQP2-Gens. Eine exakte molekulargenetische Differenzierung ist klinisch bedeutsam, da sich, in Abhängigkeit von der nachgewiesenen Mutation, unterschiedliche Therapieansätze ableiten lassen. So sprechen z. B. Patienten mit Defekten des AVPR2-Gens gut auf die Therapie mit einem synthetischen, V2-Rezeptor-selektiven Agonisten an. Der AVPR2-assoziierte Diabetes insipidus ist mit 90% deutlich häufiger als der AQP2-assoziierte. Der Erbgang für erstgenannte Form ist X-chromosomal, für zweitgenannte i. d. R. autosomal rezessiv.

Anforderungsscheine

Stand: 18.06.2018

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