Humangenetik

CYP2C9 / VKORC1

Phenprocoumon (Marcumar)

Material

2 ml EDTA-Blut

OMIM

601130 / 608547

Verfahren

Genotypisierung des VKORC1-Gens hinsichtlich des Polymorphismus c.-1639G>A und des CYP2C9-Gens hinsichtlich der Defektallele CYP2C9*2 und CYP2C9*3 mittels Sequenzierung.

Klinische Relevanz

Genotypisierung VKORC1 und CYP2C9 bei Schwierigkeiten mit der Einstellung von Patienten auf Marcumar.

Anmerkungen

Marcumar (Handelsname Phenprocoumon) zeichnet sich durch eine geringe therapeutische Breite aus. Gleichzeitig ist die individuell benötigte Dosierung von Patient zu Patient sehr variabel. Es wird angenommen, dass etwa 40% dieser Variabilität auf genetischen Eigenschaften beruhen. Von Bedeutung sind hier insbesondere Varianten der Gene VKORC1 und CYP2C9.

Das Genprodukt des VKORC1-Gens ist ein wichtiger Angriffspunkt des Gerinnungshemmers Marcumar. Der Polymorphismus c.-1639G>A des VKORC1-Gens tritt in der Bevölkerung mit einer Häufigkeit von etwa 39% auf. Patienten mit dem Genotyp A/A sind sensitiver gegenüber Marcumar, benötigen also eine eher geringe Dosis. Patienten mit dem Genotyp G/G sind weniger sensitiv und benötigen entsprechend eine eher hohe Dosis. Der heterozygote Genotyp G/A liegt intermediär dazwischen.

Das Enzym CYP2C9 ist an dem Abbau aktiver Metabolite des Marcumars zentral beteiligt. Patienten mit defizientem CYP2C9 können die aktiven Metabolite nur langsam abbauen und benötigen entsprechend eine geringere Dosis. Für das CYP2C9-Gen sind insbesondere zwei Defektallele bedeutend (CYP2C9*2 und CYP2C9*3), aus denen sich 3 prädiktive Phänotypen ergeben:

• langsame Metabolisierer mit zwei Defektallelen (ca. 1% der europäischen Bevölkerung)

• intermediäre Metabolisierer mit einem Defektallel und einem Normalallel (ca. 8% der europäischen Bevölkerung)

• extensive Metabolisierer mit 2 Normalallelen (ca. 90% der europäischen Bevölkerung)

Aus der Kombination des Genotyps von VKORC1 und CYP2C9 lässt sich die zu erwartende notwendige Marcumar-Dosierung abschätzen. Hierfür stehen entsprechende Tabellen zur Verfügung (siehe z.B. Stehle et al. Pharmacogenetics of oral anticoagulants: a basis for dose individualization. Clin Pharmacokinet. 2008;47(9):565-94.). Die Genotypisierung kann insbesondere bei Schwierigkeiten bei der Einstellung auf eine optimale Dosierung hilfreich sein. Sie ersetzt keinesfalls die Kontrollen mittels Quick bzw. INR.

 

Information zur Abrechnung:

Bitte beachten Sie, dass entsprechend des ab dem 01.07.2016 gültigen EBM Untersuchungen zur Abklärung, ob genetische Eigenschaften vorliegen, die die Wirkung eines Arzneimittels beeinflussen, nicht als Kassenleistung abgerechnet werden können. Dies gilt nicht, wenn es sich um eine seltene genetische Erkrankung handelt (Häufigkeit < 1/2.000). Für Fragen zur Abrechnung pharmakogenetischer Leistungen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung (040-53805-853).

Anforderungsscheine

Stand: 18.06.2018

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