Humangenetik

Alpers-Syndrom

POLG

Material

2 ml EDTA-Blut

OMIM

174763

Verfahren

Nachweis von Mutationen im POLG-Gen durch PCR, Sequenzierung und MLPA

Klinische Relevanz

Mutationsanalyse bei Patienten mit psychomotorischer Regression, Krämpfen und Lebererkrankung

Anmerkungen

Beim Alpers-Syndrom (Alpers-Huttenlocher-Syndrom) handelt es sich um eine Zerebro-Hepatopathie, welche zum Verlust mitochondrialer DNA führt. Die Krankheit ist autosomal rezessiv vererbt und beginnt fast immer im Kleinkindalter. Klinisch imponieren Nüchtern-Hypoglykämie, Entwicklungsstörung, infektabhängige Enzephalopathie, Spastizität, Myoklonus, fokale Krämpfe, Status epilepticus oder akutes Leberversagen. Im späteren Stadium der Erkrankung sind 25% der Betroffenen kortikal blind. Die Symptome treten in der Regel nicht alle gleichzeitig auf, die phänotypische Ausprägung ist variabel.

 

Man erkennt durch diffusionsgewichtete MRI asymmetrische, fleckige Veränderungen in Hirnrinde, Basalganglien, Thalamus und Kleinhirn, wobei meistens die okzipitale Hirnrinde betroffen ist. Die Liquor-Eiweißkonzentrationen sind immer erhöht, in Liquor und Blut kann vorübergehend die Laktat-Konzentration erhöht sein. Anfangs ist die Hepatopathie nur geringgradig, mit nur einer 2- bis 3-fachen Erhöhung der Transaminasen. Des Weiteren entsteht im Verlauf eine mikronoduläre Zirrhose (Schrumpfleber) mit regenerativen Knötchen, Gallengangs-Proliferation und mikrovesikulärer Steatose.

 

Verursacht wird das Alpers-Syndrom in der Mehrzahl der Fälle durch Mutationen im POLG-Gen. Das POLG1-Gen kodiert die mitochondriale Gamma-DNA-Polymerase 1, die essentiell für die mitochondriale DNA-Replikation und Reparatur ist.

 

Pharmakogenetische Anmerkung

Bei Patienten mit Mutation im POLG-Gen sollte, sofern möglich, die Gabe von Valproinsäure aufgrund des erhöhten Risikos für ein akutes Leberversagen vermieden werden. Bei Kindern unter 2 Jahren mit refraktärer Epilepsie oder Status epilepticus und bei Patienten mit einer klinischen Symptomatik, die auf eine Mitochondriopathie hinweisen könnte, sollte eine Untersuchung in Hinblick auf POLG-Mutationen vor Gabe von Valproinsäure erwogen werden.

Anforderungsscheine

Stand: 18.06.2018

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