Aktuelle Labordiagnostik

Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie- PNH Juli 2000

Klinik und Pathomechanismus

Die PNH ist eine erworbene chronische Erkrankung mit einer mittleren Überlebenszeit von 10 - 15 Jahren. Sie wird am häufigsten zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr diagnostiziert. Das Leitsymptom der Paroxysmalen nächtlichen Hämoglobinurie ist eine chronische intravaskuläre Hämolyse. Die Hämolyse tritt dabei typischerweise im Lauf der Nacht auf und führt zu der charakteristischen morgendlichen Hämoglobinurie, die jedoch nur bei 25 % aller PNH-Patienten beobachtet wird. Der Pathomechanismus dieser Erkrankung basiert auf einer stark erhöhten Sensitivität der Erythrozyten gegenüber Komplement-vermittelter Lyse. Die molekulare Basis der PNH ist mittlerweile gut verstanden. PNH-Patienten tragen einen erworbenen somatischen Gendefekt, durch den die Bildung eines Glycosyl-Phosphatidyl Inositol-(GPI)-Restes verhindert wird. Über diesen GPI-Rest werden verschiedene Proteine in der Zellmembran verankert. PNH-Patienten zeigen aufgrund dieses Gendefekts phänotypisch eine fehlende, bzw. verminderte Zellexpression dieser Proteine, von denen einige für die Inaktivierung von Komplement verantwortlich sind. Das Fehlen dieser Proteine auf Erythrozyten führt dann zu der verstärkten Komplement-vermittelten Hämolyse. In der Regel findet sich bei PNH-Patienten ein Mosaik von defekten und intakten Zellen.

Untersuchungsverfahren

Das klassische Verfahren zur PNH-Diagnostik, der Ham-Test (Serum-Säure-Test), basiert auf der gesteigerten Komplement-vermittelten Lyseempfindlichkeit von PNH-Erythrozyten. Der Ham-Test ist in der Durchführung jedoch sehr anwenderabhüngig und generell schwierig zu standardisieren. Bei PNH-Patienten mit bereits ausgeprägter Hämolyse kann dieser Test falsch negative Resultate liefern. Der HAM-Test ist nicht absolut PNH-spezifisch und für vortransfundierte Patienten nicht geeignet. Mit Hilfe der Durchflußzytometrie ist der PNH-spezifische Membrandefekt hingegen sehr gut zu charakterisieren. Dabei wird die Expression verschiedener GPI-verankerter Proteine auf der Zelloberfläche von Leukozyten bestimmt. Charakteristisch für PNH-Patienten ist insbesondere eine fehlende oder verminderte Expression von CD14 auf Monozyten und CD66b auf Granulozyten. Neben der Darstellung dieses Membrandefektes ist darüber hinaus auch eine quantitative Abschätzung der PNH-Zellpopulation möglich. Vergleichende Untersuchungen ergaben, daß der durchflußzytometrische Test hinsichtlich Sensitivität und Spezifität gegenüber dem Ham-Test gleichwertig und hinsichtlich der Standardisierung deutlich überlegen ist.

Indikation

Coombs-Test-negative intravaskuläre hämolytische Anämie in Kombination mit:

  • Hämoglobinurie, hohem Serum-LDH, vermindertem Haptoglobin
  • Aplastische Anämie (GPI-Defekt in 10 - 50 % der Fälle)
  • Panzytopenie
  • chronischer Eisenmangel unklarer Ursache
  • wiederholte Thrombosen unklarer Ursache
  • ungeklärte Abdominal-, Kreuz- oder Kopfschmerzen

Material: 5 ml Heparinblut