Aktuelle Labordiagnostik

Die Bestimmung der b-Carotin(oid)e im Serum stellt seit über 60 Jahren eine einfache Methode zur Erfassung einer Störung der intestinalen Fettassimilation dar. Nach Einführung der quantitativen Stuhlfettbestimmung nach van-de-Kramer trat diese Methode jedoch in den Hintergrund, zumal potentielle Störfaktoren der ß-Carotinbestimmung, wie Leberfunktionsstörungen, hohes Fieber und alimentärer ß-Carotin-Mangel erkannt wurden. Bei verbesserter statistischer Datenauswertung stellt die ß-Carotin(oid)-Konzentration im Serum einen hochspezifischen Indikator für eine Steatorrhoe dar. Damit kann in vielen Fällen auf die unpraktikable Stuhlfettanalyse verzichtet werden (wenn eine Aussage über das Ausmaß der Fettresorptionsstörung nicht erforderlich ist). Bei geeigneter Auswertung zeigt dieses Verfahren eine Spezifität von 93 % und eine Sensitivität von 88 % zur Erfassung einer Steatorrhoe.

Indikation

Verdacht auf globales Malassimilationsyndrom oder selektive Störung der Assimilation von Nahrungsfett mit einer Stuhlfettausscheidung von > 7 g/die

Patientenvorbereitung

  • Blutentnahme am nüchternen Patienten, vor Blutentnahme exzessive Aufnahme von Karotten, gelben und grünen Gemüsen und Früchten vermeiden.
  • ß-Carotin wird nur im geringen Maße gespeichert, so daß ein Absinken der Serumkonzentration bei einer Fett-Malassimilation (oder einer ß-Carotin- Mangelernährung) nach etwa 1 - 4 Wochen eintritt.

Befund-Bewertung

1000 - 4100 µg/l: normal
470 - 1000 µg/l: Verdacht auf Steatorrhoe, Verlaufskontrolle empfohlen, Indikation zur Stuhlfettanalyse
< 470 µg/l: Steatorrhoe sehr wahrscheinlich, normale Stuhlfettausscheidung praktisch ausgeschlossen

Einflußgrößen auf die Labordiagnostik

ß-Carotinoide erniedrigt bei

hohem Fieber, schweren Lebererkrankungen, chronisch defizitärer Ernährungsweise (Alkoholiker), Einnahme von Kanamycin, Neomycin oder oralen Kontrazeptiva

ß-Carotinoide erhöht oder falsch normal bei

schwerwiegenden Veränderungen im Lipoproteinmuster (Hypothyreose, Diabetes mellitus, Hyperlipidämie), Einnahme/Anwendung von Bräunungsmitteln, exzessiver Aufnahme von ß-Carotin-reichen Lebensmitteln (Karotten, gelbe und grüne Gemüse und Früchte), Patienten mit Anorexia nervosa

Empfehlung

Es empfiehlt sich, neben denGesamt-ß-Carotinoiden auch die ß-Carotin-Einzelsubstanz zu bestimmen (HPLC), da bei erhöhter alimentärer oder medikamentöser ß-Carotinaufnahme eine falschnormale Fettassimilation vorgetäuscht werden kann. Die normale Plasma- oder Serumkonzentration von ß-Carotin liegt bei 150 - 1250 µg/l. Der Anteil ß-Carotin an den Gesamt-Carotinoiden beträgt normalerweise 10 - 30 %.

Weiterführende Untersuchungen: D-Xylose-Test, Duodenalbiopsie, Gliadin- und Transglutaminase-Antikörper (Sprue), Pankreas-Elastase im Stuhl

Material:

2 ml Serum oder Plasma (lichtgeschützt in Alufolie, möglichst sofort einfrieren oder zumindest kühlen)

Anforderungen:

Gesamt-ß-Carotinoide ß-Carotin (Einzelsubstanz)