Aktuelle Labordiagnostik

Serologische Differenzierung der Myasthenia gravis (MG) und des Lambert-Eaton myasthenischen Syndroms (LEMS) sowie Abgrenzung zu paraneoplastischen Syndromen Oktober 1999

Nachweis von Autoantikörpern gegen

Acetylcholinrezeptoren Myasthenia gravis
Titin Myasthenia gravis und Thymuskarzinom
Kalziumkanäle Lambert Eaton myasthenisches Syndrom

Definition und klinisches Bild

Die Myasthenia gravis (MG) und das Lambert Eaton myasthenische Syndrom (LEMS) ähneln sich, trotz unterschiedlicher pathogenetischer Mechanismen, sehr im klinischen Erscheinungsbild. Während bei der MG erhöhte Autoantikörper gegen postsynaptische nikotinische Acetylcholinrezeptoren (AChR) an der motorischen Endplatte nachweisbar sind, liegen beim LEMS erhöhte Autoantikörper gegen den P/Q-Typ der präsynaptischen spannungsabhängigen Kalziumkanäle vor.

Die MG ist gekennzeichnet durch zunehmende muskuläre Ermüdungserscheinungen, die zu 15 % in der okulären Form und zu 85 % in der generalisierten Form vorkommen. Erhöhte Autoantikörper gegen AChR führen zu verminderten Rezeptoren mit daraus folgenden klinischen Anzeichen der Ermüdung in den betroffenen Muskeln, insbesondere Augenmuskelparesen, Schwäche der mimischen Muskulatur sowie zunehmende Ermüdungslähmungen verschiedener Muskelpartien, die zum Tod durch interkurrierende Erkrankungen oder durch Atemlähmung führen können. Das LEMS zeigt hingegen nur selten eine okuläre Beteiligung. Die maximale Entwicklung der Muskelkraft stellt sich verzögert dar, bei der MG hingegen mit der Dauer der Belastung abnehmend. Autoantikörper gegen die präsynaptischen Kalziumkanäle führen zu einer Quervernetzung der Kanäle mit anschließender Internalisierung und Degradation, so daß bei einer Depolarisation der präsynaptischen Membran kein Kalzium durch die Kalziumkanäle in die Nervenzelle einströmen und die Freisetzung von Acetylcholin bewirken kann.

Beide neuromuskulären Erkrankungen können mit paraneoplastischen Syndromen assoziiert sein. 15 % der MG-Patienten entwickeln eine thymale Neoplasie. In annähernd allen MG-Patienten mit einem Thymuskarzinom oder epithelialem Thymom sind erhöhte Autoantikörper gegen Titin, einem Bestandteil der quergestreiften Muskulatur, nachweisbar. Bei 60 % der LEMS-Patienten besteht eine Assoziation insbesondere mit dem kleinzelligen Bronchialkarzinom, wobei die Autoantikörper gegen Kalziumkanäle bereits vor der klinischen Manifestation des Tumors gemessen werden können, so daß häufige pulmonologische Verlaufskontrollen empfehlenswert sind.

Serologische Diagnostik

Die Bestimmung der Autoantikörper gegen die postsynaptischen nikotinischen Acetylcholinrezeptoren erfolgt in einem Kompetitionsassay unter Verwendung des radioaktiv markierten Schlangengifts a-Bungarotoxin. Autoantiköpertiter > 0,4 nmol/l sind dabei positiv zu interpretieren, im Graubereich von 0,25 - 0,4 nmol/l sollte hingegen eine Verlaufskontrolle erfolgen. Um ein Thymuskarzinom oder ein epitheliales Thymom bei MG-Patienten auszuschließen, wäre die Bestimmung der Autoantikörper gegen Titin empfehlenswert. Die Bestimmung erfolgt im ELISA unter Verwendung eines 30 kD-Fragmentes. Liegen keine klinisch relevanten Autoantikörper gegen AchR oder Titin vor, kommen bei weiterhin bestehendem klinischen Hinweis auf ein myasthenisches Syndrom erhöhte Autoantikörper gegen die präsynaptischen Kalziumkanäle in Betracht. Die Bestimmung der Autoantikörper gegen die Kalziumkanäle erfolgt in einem Kompetitionsassay unter Verwendung des radioaktiv markierten w-Conotoxin.

Indikationen

Okuläre und generalisierte Form der Myasthenia gravis, Lambert-Eaton myasthenische Syndrom (LEMS), Thymuskarzinom, epitheliales Thymom, kleinzelliges Bronchialkarzinom

Material:

1 ml Serum