Schwangerschaft und Fehlgeburt
Vortragsveranstaltung
Ort
Labor Prof. Arndt & Partner
Lademannbogen 61
22339 Hamburg
Datum
25.04.2006 um 20:00 Uhr
Anmeldung
Wir bitten Sie uns für die Teilnahmezusage eine E-Mail (info(at)labor-lademannbogen.de) zu schicken oder uns unter der Telefonnummer 040 / 53805-0 zu benachrichtigen. Als Besucher sind Sie an diesem Abend unter der Telefonnummer 040 / 53805-791 zu erreichen.
Hinweis
Die Fortbildungsakademie der Ärztekammer Hamburg hat diese Fortbildungsveranstaltung mit 3 Punkten bewertet.
Programm
20.15 Uhr PD Dr. J. Jenderny
Art und Häufigkeit von Chromosomenveränderungen bei Spontanaborten
20.30 Uhr L. Kochhan
X-Chromosom-Inaktivierung als mögliche Ursache von rezidivierenden Aborten
20.45 Uhr Prof. Dr. U. Budde
Gerinnungsstörungen in der Schwangerschaft
21.20 Uhr Dr. H. A. von Waldenfels
Der wiederholte Spontanabort (WSA)
22.00 Uhr Diskussion
22.30 Uhr Ende
zum Thema:
Die Prävalenz von Spontanaborten beträgt bei klinisch erkannten Schwangerschaften 10-15%. Die meisten Spontanaborte ereignen sich im ersten Trimenon. Etwa 50-60% dieser Spontanaborte sind chromosomal auffällig. Die Bedeutung der unterschiedlichen Chromosomenveränderungen wird erläutert.
Die Inaktivierung eines der beiden X-Chromosomen in weiblichen Zellen dient dem Ausgleich der Gen-Dosis im Vergleich zur männlichen Zelle, die nur über ein X-Chromosom verfügt („Lyon-Hypothese“). Die Auswahl des zu inaktivierenden paternalen bzw. maternalen X-Chromosoms erfolgt nach dem Zufallsprinzip. Bei Frauen mit gehäuften habituellen Aborten wurde eine ungleichmäßige Verteilung der X-Chromosom-Inaktivierung beobachtet; als Ursache kommen z.B. X-chromosomale Erkrankungen oder Mutationen im XIST-Gen in Betracht.
Es wurden im letzten Jahrzehnt neben Mangelzuständen an Protein C und S sowie Antithrombin oder Faktor VIII-Erhöhung weitere genetisch bedingte Risikofaktoren einer Thrombophilie identifiziert. Die beiden wichtigsten sind die Faktor V Leiden Mutation (G1691A) und die Prothrombinmutation (G20210A). Etwa 50% aller Patientinnen mit einer thrombembolischen Komplikation in der Schwangerschaft sind Träger einer dieser Mutationen. Hinzu kommen erworbene Thrombose-Risikofaktoren wie das Antiphospholipid-Syndrom, welches mit einer hohen Neigung zu Aborten einhergeht. Die Thrombembolie oder Abortneigung bedingt durch eine Gerinnungsstörung wird jedoch als multifaktorielles Geschehen beurteilt. Insbesondere die postpartale Phase ist durch ein besonders hohes Risiko gekennzeichnet. Schwangere mit Thrombosen in der Vorgeschichte oder mit familiärer Thrombophilie sind besonders gefährdet. Eine schematische Risikoeinschätzung nur aufgrund der Konstellation von Laborwerten ist abzulehnen, vielmehr sollte eine individuelle Bewertung durch Einbeziehung von Eigen- und Familienanamnese erfolgen. In der Veranstaltung werden die diagnostischen Möglichkeiten zum Monitoring einer Gerinnungsaktivierung über die D-Dimermessung sowie die Heparinprophylaxe in der Schwangerschaft dargelegt. Erörtert werden Fragen zur Durchführung der Prophylaxe sowie deren Nebenwirkungen.
Unter habituellen Aborten oder wiederholtem Spontanabort (WSA) versteht man mindestens 3 Fehlgeburten bis zur 20. Schwangerschaftswoche oder mindestens 2 Aborte ab einem Lebensalter von 30 Jahren. Die Angaben zur Prävalenz schwanken zwischen 2-5% klinisch nachweisbarer und 50-60% nur biochemisch nachweisbarer Schwangerschaften. Neben genetischen und thrombophilen Faktoren können anatomische Defekte (des Uterus), mikrobiologische, endokrine und immunologische Faktoren sowie psychologische Faktoren eine Rolle spielen. Es werden die diagnostischen und therapeutischen Optionen aufgezeigt. Insbesondere geht es um die Frage, welche Diagnoseschritte wann eingeleitet werden sollten und welche Relevanz die Ergebnisse für den Einzelfall haben. Darüber hinaus wird eine Wertung der therapeutischen Möglichkeiten versucht.