Rationelle Diagnostik von Nierenerkrankungen

Vortragsveranstaltung

Ort

Labor Prof. Arndt & Partner
Lademannbogen 61
22339 Hamburg

Datum

16.09.2003 um 20:00 Uhr

Anmeldung

Wir bitten Sie uns für die Teilnahmezusage eine E-Mail (info(at)labor-lademannbogen.de) zu schicken oder uns unter der Telefonnummer 040 / 53805-0 zu benachrichtigen. Als Besucher sind Sie an diesem Abend unter der Telefonnummer 040 / 53805-791 zu erreichen.

Hinweis

Die Fortbildungsakademie der Ärztekammer Hamburg hat diese Fortbildungsveranstaltung mit 2 Punkten bewertet.

Programm

20.15 Uhr Dr. A. Kromminga
Klinische Relevanz von Antikörpern gegen Erythropoietin

20.30 Uhr Prof. Dr. F. Boege
Strategien zur Urin- und Nierendiagnostik in Zeiten steigenden Kostendrucks

20.55 Uhr Dr. S. Herget-Rosenthal
Cystatin C – ein genauer Marker der Nierenfunktion?

21.15 Uhr Diskussion

zum Thema:

Erythropoietin wird seit Jahren erfolgreich bei der Behandlung renaler und nicht-renaler Anämien eingesetzt. Allerdings wurden in den letzten Jahren wiederholt Fälle mit schwerwiegenden Nebenwirkungen bekannt. Insbesondere die Bildung von Antikörpern gegen Erythropoietin nach subkutaner Gabe des rekombinanten Erythropoietins kann zur Neutralisierung des Hormons und anschließender schwerer Erythroblastopenie (PRCA = pure red cell aplasia) führen. Die Bildung dieser Antikörper ist umso erstaunlicher, als dass die Struktur des rekombinanten Medikamentes annährend mit der des endogenen Hormons übereinstimmt. Die pathogenetischen Ursachen für diesen immunologischen Prozess sind weitgehend ungeklärt. Der Nachweis der Antikörper gegen Erythropoietin erfolgt in einem speziell entwickelten Verfahren, das eine klare Aussage über das Vorliegen einer Erythropoietin-induzierten PRCA erlaubt. Die Bildung von Antikörpern nach Gabe von gentechnologisch hergestellten, körperähnlichen Medikamenten macht die Entwicklung spezifischer Nachweisverfahren notwendiger denn je.

Die Niere verursacht trotz ihrer vitalen Funktion im Falle einer Funktionseinschränkung initial nur sehr geringe klinische Symptome. Deshalb ist eine rationale und strukturierte Labordiagnostik innerhalb wie außerhalb nephrologischer Spezialabteilungen und Praxen besonders wichtig. Primäres Ziel der Diagnostik ist es, Patienten rechtzeitig einer kurativen Therapie zuzuführen und Nierenersatztherapie sowie Nierentransplantation zu vermeiden. Gleichzeitig ist jedoch die Entstehung hoher Kosten zu vermeiden. Der Ausweg aus diesem Dilemma liegt in einer modernisierten und abgestuften Screeningstrategie, die ohne höhere Kosten als derzeit gängige Verfahren Nierenfunktionseinschränkungen früher und zuverlässiger erkennt. Eine solche Strategie wird vorgestellt, einschließlich der Überlegung, welche Kosten verursacht und welcher Nutzen daraus gezogen werden kann.

Cystatin C wurde in den letzten Jahren als Parameter zur Einschätzung der glomerulären Filtrationsrate (GFR) eingeführt. Das Protein wird von nahezu allen kernhaltigen Zellen gebildet, wird komplett glomerulär filtriert und tubulär katabolisiert, weist darüber hinaus eine stabile Bildungsrate auf und ist nicht Akutphase abhängig.
Aktuelle Studien zeigen, dass Cystatin C im Serum
- eine höhere diagnostische Effizienz als Kreatinin bei der Detektion von GFR-Reduktionen aufweist, insbesondere bei geringer GFR-Reduktion
- weitgehend unabhängig von extrarenalen Faktoren ist
(Alter, Geschlecht, Krankheit, Ernährung, Körperkonstitution)
- schnell und einfach zu messen ist.

Insbesondere für Patientengruppen, bei denen die Urinsammlung problematisch ist (ältere Menschen, Patienten mit Bewegungseinschränkungen), aber auch unter bestimmten organisatorischen Aspekten (arbeitende Bevölkerung, vor Zytostatika-Therapie) stellt Cystatin C einen genauen und zuverlässig zu bestimmenden Screeningmarker zur frühen Diagnose einer geringen Reduktion der GFR dar.