Rationelle Diagnostik bei frühem Abort- Ursachenspektrum, Pathologie, Gerinnung, Immunologie und Genetik

Vortragsveranstaltung

Ort

Labor Lademannbogen
Lademannbogen 61
22339 Hamburg

Datum

30.05.2000 um 20:00 Uhr

Anmeldung

Wir bitten Sie uns für die Teilnahmezusage eine E-Mail (info(at)labor-lademannbogen.de) zu schicken oder uns unter der Telefonnummer 040 / 53805-0 zu benachrichtigen. Als Besucher sind Sie an diesem Abend unter der Telefonnummer 040 / 53805-791 zu erreichen.

Hinweis

Programm

20.15 Uhr Prof. Dr. med. C.J. Thaler Einführungsreferat

20.45 Uhr

Prof. Dr. med. S. Schröder
Pathologie

21.00 Uhr

Prof. Dr. med. U. Budde
Gerinnung / Immunologie

21.15 Uhr

Prof. Dr. med. K.R. Held
Genetik

21.30 Uhr

Diskussion

zum Thema:

Der spontane Schwangerschaftsverlust bis zur 20. SSW ist ein relativ häufiges Ereignis, das etwa jede siebente Schwangerschaft betrifft. Ein besonderer Risikofaktor für Spontanaborte ergibt sich dabei aus dem Z.n. Spontanabort. Das Syndrom habitueller Spontanaborte zeigt ein ungewöhnlich breites Spektrum ätiologischer Bezüge. Hinsichtlich eines rationalen diagnostischen Vorgehens spielen chromosomale, anatomische, endokrinologische, allo- und autoimmunologische sowie hämostasiologische Aspekte eine Rolle. Bei schrittweiser und systematischer Abklärung gelingt es, für etwa 75 % der Paare mit rezidivierenden Spontanaborten eine ätiologische Zuordnung zu treffen und damit eine konkrete therapeutische Konzeption anzubieten.

Die Histopathologie erlaubt, Abnormitäten der Chorionentwicklung im Rahmen einer primären Entwicklungsstörung der Fruchtanlage nachzuweisen und durch die Diagnosestellung z.B. verschiedener Formen einer Plazentabildunsstörung (Embryonalmole, Partialmole, Blasenmole) gegebenenfalls die Weichen für die Anwendung zusätzlicher aufwendigerer Spezialtechniken zu stellen. Als Beispiel zu nennen ist der am selben Gewebe des formalinfixierten paraffineingebetteten Abortmaterials molekularzytogenetisch (FISH) geführte Nachweis einer Triploidie bei histologisch sich wegen des Befundes einer Partialmole ergebendem Verdacht auf eine Aneuploidie. Die führende Störung der Hämostase bei Patienten mit habituellem Abort ist das sog. Antiphospholipid-Syndrom. Es ist durch Antikörper gegen Gerinnungsinhibitoren charakterisiert, die zu ihrer Wirkung Phospholipide benötigen.

Daneben können jedoch die angeborenen thrombophilen Gerinnungsveränderungen ebenfalls zur Mangelernährung durch Plazentainfarkte führen. Quantitativ führend sind hier die Veränderungen im F V- und FII-Gen, während die "klassischen" Mutationen im AT III-, Protein C- und Protein S-Gen quantitativ in den Hintergrund treten.

Unter den zahlreichen genetischen Faktoren, die mit einer erhöhten Abortrate assoziiert sind, stehen Chromosomenaberrationen an erster Stelle. Bis zur 20. SSW sind ca. 60 % aller Schwangerschaftsverluste auf Chromosomenaberrationen des Feten und/oder der Plazenta zurückzuführen. Lediglich 5 % hiervon sind familiär bedingt. Mehrheitlich handelt es sich somit um Chromosomenaberrationen de novo. Für die ätiologische Zuordnung ergibt sich hieraus die Vorrangigkeit der Chromosomenuntersuchung in fetalem sowie Plazentagewebe.

Nach dem Vortrag soll der Stellenwert der veschiedenen diagnostischen Schritte mit dem Ziel einer rationellen Diagnostik bei frühem Schwangerschaftsverlust mit allen Referenten diskutiert werden.