Molekularbiologischer Erregernachweis bei MRSA und Sepsis
Vortragsveranstaltung
Ort
Labor Prof. Arndt & Partner
Lademannbogen 61
22339 Hamburg
Datum
21.03.2006 um 20:00 Uhr
Anmeldung
Wir bitten Sie uns für die Teilnahmezusage eine E-Mail (info(at)labor-lademannbogen.de) zu schicken oder uns unter der Telefonnummer 040 / 53805-0 zu benachrichtigen. Als Besucher sind Sie an diesem Abend unter der Telefonnummer 040 / 53805-791 zu erreichen.
Hinweis
Die Fortbildungsakademie der Ärztekammer Hamburg hat diese Fortbildungsveranstaltung mit 3 Punkten bewertet.
Programm
20.15 Uhr Dr. A. Friedrich
MRSA
20.45 Uhr PD Dr. T. Meyer
Entzündungsparameter bei der Sepsisdiagnostik
21.15 Uhr Prof. Dr. A. Höft
Sepsis in der Intensivmedizin
22.00 Uhr Diskussion
22.30 Uhr Ende
zum Thema:
Molekulare Nachweisverfahren haben in den letzten 10-20 Jahren die Diagnostik zahlreicher infektiöser Erkrankungen erheblich verbessert. Nukleinsäure-Amplifikationstests (NATs), wie die PCR, besitzen eine sehr hohe Sensitivität und sind nicht auf die Anwesenheit vitaler, infektiöser Erreger angewiesen. Sie sind daher den traditionellen mikrobiologischen Verfahren der Erregeranzucht auf Nährböden oder in der Zellkultur überlegen.
Ein wichtiges Anwendungsbeispiel der NATs ist das MRSA-Aufnahme-Screening in Krankenhäusern. Der deutliche Anstieg der Prävalenz von Methicillin-resistenten Staphylococcus-aureus(MRSA)-Stämmen in deutschen Krankenhäusern in den letzten Jahren ist mit einer gesteigerten Mortalitätsrate und mit deutlich höheren Kosten verbunden. Ein großer Anteil der MRSA-Patienten akquiriert den Erreger nicht erst im Krankenhaus, sondern ist bereits zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme besiedelt. Die Prävention von MRSA-Infektionen kann daher erheblich verbessert werden, wenn der Kolonisationsstatus der Patienten bekannt ist. Die Vorraussetzungen für ein dementsprechendes MRSA-Screening beinhalten vor allem eine schnelle und kosteneffektive Analyse mit einem hohen negativen Prädiktivwert (d.h. ein negatives Ergebnis schließt eine MRSA-Besiedlung mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aus). Diese Anforderungen können durch kultur-unabhängige MRSA-Nachweisverfahren erfüllt werden.
Als weiteres Beispiel für die Anwendung der NATs in der Mikrobiologie findet sich in der Sepsisdiagnostik. In Deutschland erkranken jährlich etwa 150.000 Menschen an Sepsis, von denen 60.000 versterben. Das klinische Bild der Sepsis resultiert gewöhnlich aus einer überschießenden Entzündungsreaktion und einer Störung des Gleichgewichts zwischen inflammatorischer und kompensatorischer Reaktionen im Rahmen einer akuten Infektion. Infolge einer systemischen Ausdehnung der Entzündungsreaktion können schwere Erkrankungen, septischer Schock und Multiorganversagen auftreten. Die systemische Entzündungsreaktion ist charakterisiert durch die Bildung sog. Akute-Phase-Proteine (APP), wie CRP, Serum-Amyloid A und a1 Anti-Chymotrypsin. Ein vor allem bei septischen Verläufen bakterieller Infektionen erhöhtes APP ist Procalcitonin (PCT). Die PCT-Bestimmung ist daher geeignet für die Diagnose der Sepsis und des septischen Schocks, bzw. für die Differenzierung bakterieller und nicht-bakterieller Infektionen bei systemischer Entzündungsreaktion, und eignet sich zudem als Parameter zur Kontrolle des Krankheitsverlaufs der bakteriellen Sepsis.
Die Identifizierung des Sepsis-auslösenden Erregers durch die Blutkultur besitzt eine begrenzte Sensitivität. Insbesondere die Anzucht von Hefepilzen ist nur selten möglich. Zudem dauert der Nachweis bakterieller Erreger mindestens 2-3 Tage. Ein schnellerer Nachweis ist durch ein neues Amplifikationsverfahren möglich (SeptiFast, Roche-Diagnostics). Mit diesem real-time PCR Test können mehr als 20 verschiedene Bakterien- und Pilzspezies, die ca. 90% aller Infektionen im Blutkreislauf verursachen, diagnostiziert werden. Die Ergebnisse liegen bereits innerhalb eines Tages vor, so dass die Patienten kurzfristig einer adäquaten Therapie zugeführt werden können, was zur besseren Beherrschbarkeit des Krankheitsverlaufes führt.