Hämostase - Aktuelle diagnostische und therapeutische Möglichkeiten bei thromboembolischen Erkrankungen
Vortragsveranstaltung
Ort
Labor Lademannbogen
Lademannbogen 61
22339 Hamburg
Datum
22.05.2001 um 20:00 Uhr
Anmeldung
Wir bitten Sie uns für die Teilnahmezusage eine E-Mail (info(at)labor-lademannbogen.de) zu schicken oder uns unter der Telefonnummer 040 / 53805-0 zu benachrichtigen. Als Besucher sind Sie an diesem Abend unter der Telefonnummer 040 / 53805-791 zu erreichen.
Hinweis
Diese Veranstaltung ist ärztliche Fortbildung im Sinne der Richtlinien der Ärztekammer Hamburg und kann von Ihnen als Fortbildungsnachweis unter Nennung von Fortbildungsthema, Zeit und Ort gegenüber der Ärztekammer Hamburg angegeben werden.
Programm
20.15 Uhr Dr. med. S. Grosser Ambulante nichtinvasive Diagnostik von Phlebothrombosen mit farbkodierter Duplexsonographie
20.40 Uhr
Prof. Dr. med. U. Budde
Veränderungen der von-Willebrand-Faktor spaltenden Protease bei mikroangiopathischen aber auch bei anderen Erkrankungen
21.00 Uhr
Prof. Dr. med. R. Brunkhorst
Adsorptionsverfahren - eine Therapieoption für die Zukunft?
21.30 Uhr
Diskussion
zum Thema:
Da die klinische Beurteilung eines Patienten mit Thromboseverdacht unzuverlässig ist, kommt den objektivierbaren bildgebenden Verfahren bei dem Nachweis von Phlebothrombosen eine herausragende Bedeutung zu. Die nichtinvasive Thrombosediagnostik mittels Ultraschall mit einer Sensitivität und Spezifität von über 90 % hat zunehmend die Phlebographie verdrängt. Die farbkodierte Duplexsonographie liefert sichere Informationen über das Venensystem des Unterschenkels. Hierdurch werden diagnostische und therapeutische Strategien bei venösen Erkrankungen im klinischen Alltag wesentlich beeinflusst.
Zu den mikroangiopathischen hämolytischen Erkrankungen gehören die thrombotisch thrombozytopenische Purpura (TTP), das hämolytisch urämische Syndrom (HUS), die mikroangiopathischen Erkankungen bei Tumoren <nobr>(HUS-/TTP-ähnlich)</nobr> sowie das HELLP-Syndrom der Schwangeren. Die klinischen Manifestationen überlappen sich und die eindeutige Zuordnung zu einer dieser Erkrankungen ist nicht selten schwierig. Durch Bestimmung der von-Willebrand-Faktor-spaltenden Protease-Aktivität ist eine sicherere Einordnung der klinischen Kranheitsbilder möglich. Prognostisch und therapeutisch bedeutsam ist die Untersuchung auf einen Antikörper gegen diese Protease.
Hinzu kommt, daß wir zwar nicht ein vollständiges Fehlen wie bei der klassischen TTP jedoch deutliche Verminderungen nach KMT, bei Patientinnen mit HELLP-Syndrom und bei HIV-Infektion mit TTP messen konnten. Deren Bedeutung muß jedoch diskutiert werden.
Auch haben wir bisher 5 oligosymptomatische Patienten identifiziert, die als chronische ITP eingeordnet wurden (nicht indizierte Cortison-Therapie). Potentiell sehr wichtig ist die Beobachtung, daß die Protease bei der Tumormetastasierung deutlich absinkt. Da der VWF ein "Klebeprotein" ist, kann er wie das Fibrinogen bei der Ansiedlung von Metastasen eine wichtige Rolle spielen. So ist wiederholt gezeigt worden, daß die antithrombotische Behandlung bei Tumorpatienten lebensverlängernd wirken kann. Die Adsorptionsbehandlung hat eine sehr kurze Tradition. Als erstes Verfahren wurde die Lipid-Adsorption zur Behandlung schwerer, zumeist kongenitaler Fettstoffwechselstörungen etabliert.
Seit ca. 12 Jahren gibt es Immunadsorptionsverfahren (IA), hier werden selektiv Immunglobuline, vor allem IgG, aus dem Plasma entfernt. Indikation zu diesem Verfahren waren zunächst immunologische Erkrankungen wie der Lupus erythematodes, die Sklerodermie, die Myastenia gravis und andere. Etabliert ist die IA auch in der Behandlung von hämophilen Patienten, die Antikörper gegen substituierte Gerinnungsfaktoren entwickelt haben, parallel zur IA muss in der Regel eine immunsuppressive Therapie zur Unterdrückung der Antikörperneuproduktion durchgeführt werden. In den letzten Jahren wurden kontrollierte Studien zur Therapie der Kardiomyopathie und der chronischen Polyarthritis vorgelegt. Seit ca. 2 Jahren laufen Studien zur Behandlung von Mikrozirkulationsstörungen (z.B. diabetischer Fuß oder auch Hörsturz) mit einer sogenannten Fibrinogenadsorption. Die Elimination von Fibrinogen führt zu einer Senkung der Blutviskosität und damit zu verbesserten rheologischen Verhältnissen.
Zu allen diesen Verfahren bleibt festzuhalten, dass es sich zum größten Teil noch um experimentelle Therapieverfahren handelt, kontrollierte größere Studien stehen noch aus, das therapeutische Potential ist grundsätzlich jedoch vielversprechend.