Genetische und erworbene Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Vortragsveranstaltung
Ort
Labor Prof. Arndt & Partner
Lademannbogen 61
22339 Hamburg
Datum
27.06.2006 um 20:00 Uhr
Anmeldung
Wir bitten Sie uns für die Teilnahmezusage eine E-Mail (info(at)labor-lademannbogen.de) zu schicken oder uns unter der Telefonnummer 040 / 53805-0 zu benachrichtigen. Als Besucher sind Sie an diesem Abend unter der Telefonnummer 040 / 53805-791 zu erreichen.
Hinweis
Die Fortbildungsakademie der Ärztekammer Hamburg hat diese Fortbildungsveranstaltung mit 3 Punkten bewertet.
Programm
20.15 Uhr W. Schmidt
Genetisch bedingte Nahrungsmittelunverträglichkeiten
20.45 Uhr PD Dr. A. Kromminga
Erworbene Nahrungsmittelunverträglichkeiten
21.15 Uhr PD Dr. R. Brehler
Klinik und Therapie von Nahrungsmittelallergien
22.00 Uhr Diskussion
22.30 Uhr Ende
zum Thema:
Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass bis zu 20% der Bevölkerung angeben, unter Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu leiden. Durch Provokationstests lassen sich aber nur bei maximal 1 von 10 Patienten mit anamnestischer Unverträglichkeit entsprechende Reaktionen tatsächlich auslösen. Eine rationale und rationelle diagnostische Vorgehensweise muss diese epidemiologischen Daten berücksichtigen.
Erkrankungen, die durch eine Reaktion auf Nahrungsmittel (NM) hervorgerufen werden, sind sehr vielseitig und in ihrer individuellen Ausprägung unterschiedlich. Für die Therapie ist von entscheidender Bedeutung, die Ursache der Erkrankung ausfindig zu machen. So müssen Vergiftungen oder toxische Reaktionen von genetisch bedingten oder erworbenen Intoleranzen abgegrenzt werden. Durch das neue Forschungsfeld der Nutrigenetik konnten im Bereich der Kohlenhydratintoleranzen eine Reihe von neuen genetischen Testverfahren eingeführt werden. Die Laktoseintoleranz, die auf einem Mangel des Enzyms Laktase beruht, stellt ein Beispiel einer solchen genetisch bedingten NM-Unverträglichkeit dar. Im Vortrag werden die klinischen und molekularen Grundlagen der Laktose- bzw. der Fruktose-Intoleranz sowie der Galaktosämie erläutert.
Immunologisch bedingte NM-Intoleranzen stellen wegen der unterschiedlichen Ätiopathogenese klinisch sehr heterogene Krankheitsbilder dar. Die Zöliakie oder glutensensitive Enteropathie ist eine Autoimmunerkrankung, die serologisch durch spezifische Autoantikörper und in ihrer aktiven Form histologisch durch eine Verflachung der Darmmukosa gekennzeichnet ist. Allerdings ist ein großer Teil der Zöliakie-Patienten klinisch unauffällig bzw. durch unspezifische Symptome charakterisiert. Abzugrenzen davon sind Nahrungsmittelallergien, die durch Bildung von allergenspezifischen IgE-Antikörpern ausgelöst werden. Während bei Kindern Nahrungsmittelallergien meist durch gastro-intestinale Allergenexposition entstehen, leiden erwachsene Patienten in circa 80% der Fälle unter Nahrungsmittelallergien, die auf Kreuzreaktionen bei primärer Pollensensibilisierung beruhen. Dies erklärt, warum Kinder hauptsächlich gegen Kuhmilch, Hühnerei, Weizen, Erdnüsse und Fisch sensibilisiert sind, während bei Erwachsenen Allergien gegen Nüsse, Kernobst, Gewürze und Gemüse überwiegen. Bei erwachsenen Nahrungsmittelallergikern basiert die Diagnostik damit vielfach zunächst auf der Analyse von Sensibilisierungen gegen Aero-Allergene.
Die Symptomatik bei NM-Allergien ist mannigfaltig. Während Säuglinge und Kleinkinder am häufigsten mit Symptomen im Magen-Darm-Trakt reagieren, zeigen sich im Erwachsenenalter die Symptome hauptsächlich im Mund- und Rachenbereich („orales Allergie-Syndrom“ = OAS). Möglich sind aber auch lebensbedrohliche Reaktionen bei einem Sellerie-Beifuß-Gewürzsyndrom, insbesondere da es sich bei diesen Allergenen in der Regel um versteckte Allergene handelt.
Diagnostik allein stellt für betroffene Patienten noch keine adäquate Hilfe dar. Die Beratung über das Vorkommen entsprechender Nahrungsmittel ist essenziell, da trotz exakter Diagnostik und bekannten Nahrungsmittelallergien Betroffene immer wieder schwere Reaktionen erleiden. Therapeutisch steht die Allergenkarenz an erster Stelle. Patienten mit bedrohlichen Reaktionen sollten mit entsprechenden Notfallmedikamenten ausgerüstet werden.