Diagnostik, Klinik und Chirurgie der Nebennierentumoren

Vortragsveranstaltung

Ort

Labor Lademannbogen
Lademannbogen 61
22339 Hamburg

Datum

16.05.2000 um 20:00 Uhr

Anmeldung

Wir bitten Sie uns für die Teilnahmezusage eine E-Mail (info(at)labor-lademannbogen.de) zu schicken oder uns unter der Telefonnummer 040 / 53805-0 zu benachrichtigen. Als Besucher sind Sie an diesem Abend unter der Telefonnummer 040 / 53805-791 zu erreichen.

Hinweis

Programm

20.15 Uhr Dr. med. A. Lämmel Labordiagnostik von Nebennierentumoren

20.35 Uhr

Prof. Dr. H. Becker
Chirurgie der Nebennierentumoren

21.00 Uhr

Dr. med. H. Scherf
Kasuistiken von Nebennierentumoren

21.30 Uhr

Diskussion

zum Thema:

Die insgesamt seltenen endokrin aktiven Tumoren der Nebenniere sind insbesondere im Rahmen der Abklärung eines Hypertonus von differentialdiagnostischer Bedeutung. Unter Hypertonie-Patienten haben das Phäochromozytom und das Conn-Syndrom (Aldosteronom) eine Prävalenz von bis zu 1 %. Die Inzidenz Cortisol-produzierender Tumoren der Nebennierenrinde (NNR), die in ca. 20 % dem Cushing-Syndrom zugrundeliegen, wird mit ca. 1 : 500.000 angegeben. Da es sich beim endokrin bedingten Hypertonus aufgrund eines Nebennierentumors prinzipiell um eine kurativ therapierbare Erkrankung handelt und die Prognose entscheidend von einer frühestmöglichen Therapie abhängt, ist die Kenntnis der diagnostischen Möglichkeiten von essentieller Bedeutung.

In der Diagnostik des Phäochromozytoms bietet die kombinierte, ggf. wiederholte Bestimmung der Katecholamine und deren Metaboliten im 24 Std. Urin die höchste diagnostische Sensitivität. Eine ergänzende Bestimmung des Dopamins und seines Metaboliten Homovanillinsäure spielt eher bei Verdacht auf eine extraadrenale Tumorlokalisation eine Rolle.

Die Bestimmung der Katecholamine im Plasma ist im Zusammenhang mit Funktionstests sinnvoll, als Screening-Methode jedoch nur bei Einhaltung bestimmter Kautelen aussagekräftig. Die Messung verschiedener vom Nebennierenmark produzierter Neuropeptide bietet keinen zusätzlichen diagnostischen Gewinn (z.B. Chromogranin A), im Einzelfall können sie das klinische Bild jedoch stark beeinflussen (VIP, ACTH, PTH-rP, Erythropoietin). An ein familiäres Auftreten bzw. an das Vorliegen einer multiplen endokrinen Neoplasie (MEN 2a oder 2b) sollte bei gesicherter Diagnose eines Phäochromozytoms gedacht werden. Zur weiteren Abklärung steht u.a. die RET-Protoonkogen-Mutationsanalyse zur Verfügung. Bei Verdacht auf ein Aldosteronom empfiehlt sich die Bestimmung des Serum-Kaliums sowie des Aldosterons im Serum oder im Sammelurin, kombiniert mit der Messung der Plasma-Reninaktivität oder -Serumkonzentration u.U. im Funktionstest (z.B. Orthostasetest). Zum Nachweis eines Cortisol-produzierenden NNR-Tumors bietet sich die Messung des Serumcortisols basal und nach Dexamethason an. Ein supprimierter ACTH-Wert bei erhöhter Cortisolkonzentration erhärtet die Verdachtsdiagnose.

Die endokrine Aktivität der recht häufigen Inzidentalome ist mit deren Größe korreliert. Bei Virilisierungserscheinungen bzw. Gynäkomastie und einer adrenalen Raumforderung muß an ein Karzinom gedacht werden. Die Adrenalektomie ist die Therapie der Wahl von hormonaktiven Nebennierenadenomen, Nebennierenkarzinomen und großen Inzidentalomen sowie isolierten Nebennierenmetastasen. Zur sicheren Darstellung und Versorgung der Gefäße erfolgt der Zugang überwiegend transperitoneal. Zur Vermeidung intraoperativer Hochdruckkrisen beim Phäochromozytom wird präoperativ mit einem Alpha-Rezeptorenblocker vorbehandelt.

Inzidentalome mit einem Durchmesser von mehr als 4 cm sollten der Adrenalektomie zugeführt werden. Die Adrenalektomie bei isolierten Nebennierenmetastasen einesansonsten operablen Bronchialkarzinoms ist der Chemotherapie überlegen. Die ipsilaterale Entfernung der Nebenniere bei Nierentumoren wird z.Z. kontrovers diskutiert. Bei in einem frühen Stadium diagnostiziertem Nierentumor, in dem noch keine Nebennierenmetastasen vorliegen, kann auf die Adrenalektomie verzichtet werden. Die minimalinvasive laparoskopische Adrenalektomie hat sich bisher nicht durchgesetzt und käme nur für kleine Nebennierentumoren in Frage.