Borreliose – eine Erkrankung mit vielen Facetten
Vortragsveranstaltung
Ort
Labor Lademannbogen
Lademannbogen 61
22339 Hamburg
Datum
28.04.2009 um 20:00 Uhr
Anmeldung
Wir bitten Sie uns für die Teilnahmezusage eine E-Mail (info(at)labor-lademannbogen.de) zu schicken oder uns unter der Telefonnummer 040 / 53805-0 zu benachrichtigen. Als Besucher sind Sie an diesem Abend unter der Telefonnummer 040 / 53805-791 zu erreichen.
Hinweis
Die Fortbildungsakademie der Ärztekammer Hamburg hat diese Fortbildungsveranstaltung mit 4 Punkten bewertet.
Programm
20.15 Uhr Dr. A. Lämmel
Begrüßung und Einführung
20.25 Uhr Dr. G. Mohrmann
Epidemiologie und Labordiagnostik der Borreliose
21.00 Uhr PD Dr. K.-P. Hunfeld
Neuroborreliose – Diagnostik und Therapie
21.30 Uhr Prof. Dr. A. Gause
Borrelien und Rheuma
22.00 Uhr Diskussion
22.30 Uhr Ende
zum Thema:
Bei der Lyme-Borreliose handelt es sich um die häufigste durch Zecken übertragene Infektionskrankheit in der nördlichen Hemisphäre. Auslöser der Lyme-Borreliose ist das zu den Spirochaeten zählende Bakterium Borrelia burgdorferi. Neben anderen europäischen Ländern ist auch Deutschland ein Hochendemie-Gebiet, in dem alle vier bisher bekannten humanpathogenen Borrelien-Spezies nachgewiesen wurden: Borrelia burgdorferi sensu stricto, B. garinii, B. afzelii sowie B. spielmanii. In Deutschland sind durchschnittlich etwa 20% der adulten Zecken, 10% der Nymphen und ca. 2% der Larven Träger von Borrelien. Schätzungen gehen von 40.000 bis 60.000 Neuerkrankungen pro Jahr aus. Der natürliche Verlauf der unbehandelten Borrelien-Infektion ist sehr variabel. Die verschiedenen Krankheitserscheinungen können entsprechend unterschiedlicher Latenzzeiten in Früh- und Spätmanifestationen eingeteilt werden. Jede der klinischen Manifestationen kann isoliert, aber auch in unterschiedlichen Kombinationen vorkommen. Das mit Abstand häufigste klinische Symptom in der Frühphase der Borrelien-Infektion ist das Erythema migrans, welches in etwa 60% der Fälle auftritt. Nach Dissemination der Erreger können weitere Organmanifestationen wie Neuroborreliose, Lyme-Arthritis oder Acrodermatitis chronica atrophicans auftreten. In seltenen Fällen kommt es auch zu entzündlichen Herzaffektionen (Lyme-Karditis). Die Verteilungsmuster der Organmanifestationen differieren in unterschiedlichen Regionen, vermutlich infolge unterschiedlicher Organtropismen und regionaler Vorkommen einzelner Borrelien-Subspezies.
Eine Mitbeteiligung des Nervensystems infolge einer Erregerdissemination tritt Wochen bis Monate nach der Infektion bei ca. 10 % der Patienten mit Lyme-Borreliose auf und äußert sich zumeist als lymphozytäre Meningoradikulitis (Garin-Bujadoux-Bannwarth-Syndrom), seltener als Myelitis oder Enzephalitis. Kinder zeigen typischerweise eine ein- oder beidseitige Fazialisparese sowie Zeichen einer Meningitis. Ein chronischer Verlauf oder auch ophthalmologische Symptome sind ausgesprochen selten. Die Labordiagnose der Neuroborreliose basiert auf dem liquorzytologischen Befund, der Analyse der Blut-Liquor-Schrankenfunktion und der Bestimmung der erregerspezifischen intrathekalen Antikörper-bildung (erregerspezifischer Antikörper Index - AI) durch Untersuchung eines Liquor-Serum Paares vom selben Tag. Ein positiver AI allein unterscheidet allerdings nicht zwischen aktiver Infektion und durchgemachter Erkrankung (Liquornarbe). Auch kann der Antikörpernachweis im Liquor in ganz frühen Phasen der Infektion und bei peripher-neurologischer Beteiligung im Rahmen der Lyme-Borreliose fehlen. Bei einer aktiven ZNS-Infektion durch Borrelien finden sich hingegen praktisch immer (95-100%) Zeichen der Entzündung im Liquor. Daher schließt ein negativer Antikörpernachweis eine Borrelieninfektion des ZNS dann weitgehend aus, wenn die Symptome schon länger bestehen und zusätzlich keine Entzündungszeichen im Liquor nachweisbar sind. Relativ neue Neuroborreliosemarker wie das Zytokin CXCL13 sind vielversprechend, aber nicht abschließend evaluiert.
Die typische Lyme-Arthritis als infektiöse Arthritis nach Zeckenstich und Infektion mit B. burgdorferi, afzelii oder garinii stellt nach einem typischen Erythema migrans kein diagnostisches und therapeutisches Problem dar. Sie betrifft überwiegend das Knie, aber auch andere, in jedem Fall große Gelenke und insgesamt nicht mehr als 5. Sie ist nicht besonders schmerzhaft und spricht auf die gezielte antibiotische Therapie mit Doxycyclin oder Amoxicillin oder aber Ceftriaxon in der Regel an. Problematisch sind die Patienten, bei denen es nach suffizienter antibiotischer Behandlung zu einer chronischen, im Langzeitverlauf erosiven Arthritis kommt. Hier muss von einer durch die Infektion getriggerten autoimmunen Gelenkentzündung ausgegangen werden und die Behandlung nach den Erfahrungen mit der rheumatoiden Arthritis oder den reaktiven Arthritiden immunmodulierend mit Gluko-kortikoiden, Sulfasalazin, Methotrexat oder auch Hydroxychloroquin erfolgen. Eine Synovektomie vor allem auch mit einer histologischen Untersuchung kann in Einzelfällen hilfreich sein.