Akutes Koronarsyndrom - Neue Richtlinien für Diagnostik und Therapie

Vortragsveranstaltung

Ort

Labor Lademannbogen
Lademannbogen 61
22339 Hamburg

Datum

16.01.2001 um 20:00 Uhr

Anmeldung

Wir bitten Sie uns für die Teilnahmezusage eine E-Mail (info(at)labor-lademannbogen.de) zu schicken oder uns unter der Telefonnummer 040 / 53805-0 zu benachrichtigen. Als Besucher sind Sie an diesem Abend unter der Telefonnummer 040 / 53805-791 zu erreichen.

Hinweis

Diese Veranstaltung ist ärztliche Fortbildung im Sinne der Richtlinien der Ärztekammer Hamburg und kann von Ihnen als Fortbildungsnachweis unter Nennung von Fortbildungsthema, Zeit und Ort gegenüber der Ärztekammer Hamburg angegeben werden.

Programm

20.15 Uhr Prof. Dr. Dr. W. Stein Neue Richtlinien: Labormedizinische Aspekte

20.45 Uhr

Dr. A. Keck
Neue Richtlinien: Kardiologische Aspekte

21.30 Uhr

Diskussion

zum Thema:

Seit Beginn der 70er Jahre haben die Kriterien der WHO ("typische klinische Symptomatik", "infarkttypische EKG-Veränderungen" und "Herzenzyme") eine führende Rolle in der klinischen Diagnostik und Differentialdiagnostik der akuten koronaren Syndrome eingenommen. Leistungsfähigere Labormethoden trugen in neuerer Zeit jedoch entscheidend dazu bei, die auf den WHO-Regeln basierende Diagnostik und Klassifikation der Patienten zunehmend in Frage zu stellen. Es wurde unumgänglich, neue Empfehlungen für die Diagnostik zu erarbeiten und darüber hinaus zu einer Redefinition des Myokardinfarktes zu gelangen. Mit den Troponinbestimmungen stehen uns jetzt Meßgrößen zur Verfügung, die einerseits in bisher nicht gekanntem Ausmaß herzspezifisch sind und die andererseits eine ausgezeichnete Sensitivität aufweisen.

Die Troponine (Troponin C, Troponin I, Troponin T) sind Strukturproteine des kontraktilen Apparates aller Muskeln. Die Entwicklung von monoklonalen Antikörpern gegen die myokardspezifischen Isoformen (c Tn I, c Tn T) schuf die Basis für neue diagnostische Anwendungen, die als Tn I-Bestimmungen (mehrere Hersteller) und Tn T-Bestimmung (ein Hersteller) auf dem Markt sind. Die "neue" klinische Information, die aus Troponinbestimmungen resultieren kann, betrifft symptomatische Patienten ohne infarkttypische EKG-Veränderungen, mit normaler CK-MB, aber bereits erhöhten Troponin-Werten.

Empfehlungen zur Laboratoriumsdiagnostik akuter koronarer Syndrome:

  • Absicherung eines klinisch eindeutigen Infarktes: Wenn Klinik und EKG infarkttypisch verändert sind, ist keine Laboratoriumsdiagnostik notwendig. Es kann mit CK/CK-MB (Aktivität) eine zusätzliche Dokumentation des Verlaufes erfolgen (Reagenzkosten < 10 DM/Fall).
  • Bestätigung eines fraglichen Infarktes (Klinik und/oder EKG unspezifisch): Troponin.
  • Risikostratefizierung: Troponin und CK-MB. Im Gegensatz zu Infarktpatienten (Troponin und CK-MB erhöht) und Patienten mit geringerem Risiko (Troponin und CK-MB nicht erhöht) zeigen Patienten mit instabiler Angina, erhöhten Troponin Werten, jedoch unauffälligen CK-MB Werten ein erhöhtes Risiko. Sie werden auch als Patienten mit "minor myocardial damage" bezeichnet
  • Ausschluß eines Infarktes: Der Ausschluß ist erst nach der 8. - 10. Stunde mit ausreichender Sicherheit möglich.

Insbesondere Troponin T und Troponin I erwiesen sich als beste Prädiktoren eines frühen Risikos bei Patienten mit Ruheangina. Entsprechend wurde vorgeschlagen, die ursprüngliche Klassifikation zu erweitern: Patienten mit Ruheangina innerhalb der letzten 48 Stunden (Klasse IIIB) sollten weiter unterteilt werden in Troponin-positive (T(pos)) und Troponin-negative (T(neg)) Patienten. Das 30-Tage Risiko für Tod und Myokardinfarkt wird mit 20% für Klasse IIIB-T(pos) jedoch < 2% für Klasse IIIB-T(neg) angegeben. Erste Studienergebnisse weisen darauf hin, dass Troponine ebenfalls als Marker für Thrombusformation dienen können und somit wichtige Informationen für die Therapie mit Glykoprotein-IIb/IIIa-Antagonisten liefern. Dieses Beobachtungen untermauern die Einbeziehung der Troponine in die Klassifikation der instabilen Angina und stellen ein neues Konzept der Therapie dieser Patientengruppe dar. Patienten mit einer Angina IIIB-T(pos) sollten konsequenterweise zügig einer invasiven Diagnostik zugeführt werden.