3. Frühjahrssymposium: Darm
Vortragsveranstaltung
Ort
Labor Lademannbogen
Lademannbogen 61
22339 Hamburg
Datum
13.04.2011 um 16:30 Uhr
Anmeldung
Wir bitten Sie uns für die Teilnahmezusage eine E-Mail (info(at)labor-lademannbogen.de) zu schicken oder uns unter der Telefonnummer 040 / 53805-0 zu benachrichtigen. Als Besucher sind Sie an diesem Abend unter der Telefonnummer 040 / 53805-791 zu erreichen.
Hinweis
Die Bewertung des Symposiums mit 7 Punkten ist bei der Fortbildungsakademie der Ärztekammer Hamburg beantragt.
Programm
16:30 Begrüßung
Dr. Andreas Lämmel
Einführung und Übersicht
Prof. Dr. Peter Layer
16:45-18:00 Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED)
Molekulare Pathomechanismen der CED
Prof. Dr. Stefan Schreiber
Klinisches Management bei CED
Prof. Dr. Peter Layer
Pathomechanismus und Diagnostik der Zöliakie
Priv. Doz. Dr. Arno Kromminga
Diskussion
18:00 Pause, Imbiss
18:15-19:30 Infektionen
Diagnose und Therapie bakterieller Infektionskrankheiten des Darms
Prof. Dr. Dr. Hany Sahly
Virale Infektionskrankheiten des Darms
Dr. Matthias-Ansver Horstkotte
Sinnvolle und nicht sinnvolle Hygiene bei infektiösen Durchfallerkrankungen
Dr. Georg-Christian Zinn
Diskussion
19:30 Pause, Imbiss
19:45-21:00 Malignome
Pathologie des kolorektalen Karzinoms
Prof. Dr. Sören Schröder
Genetik des kolorektalen Karzinoms
Dr. Usha Peters
Signalweganalytik: Perspektiven für eine individualisierte Krebstherapie
Prof. Dr. Hartmut Juhl
Diskussion
21:00 Zusammenfassung und Ausblick
Prof. Dr. Peter Layer
zum Thema:
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED: Colitis ulcerosa, M. CROHN) beeinträchtigen die Lebensqualität und Lebensplanung der betroffenen Patienten oft erheblich. Den CED liegt eine polygene Prädisposition zu Grunde. Die auslösenden Faktoren sind bislang unklar. Die Diagnosesicherung erfolgt mittels Endoskopie, anderer bildgebender Verfahren und evtl. unterstützend mittels Laborparametern. Therapeutisch steht eine Immunsuppression im Vordergrund. Eine weitere Form einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung ist die relativ häufige Zöliakie, die serologisch durch spezifische Autoantikörper und histologisch durch eine Verflachung der Darmmukosa gekennzeichnet ist. Familien- und Zwillingsstudien belegen eine starke genetische Komponente bei der Zöliakie.
Bei den Durchfallerkrankungen stehen virale Erreger, allen voran das Norovirus, aber auch bekannte bakterielle Erreger, wie z.B. Clostridium difficile, im Vordergrund. Grundsätzlich ist der breite Einsatz von Antibiotika zur Behandlung von Durchfallerkrankungen unnötig und mit der Gefahr z.B. der verstärkten Toxinfreisetzung bzw. Verlängerung der Infektionsdauer verbunden. Erst bei Persistenz einer Durchfallerkrankung oder gar septischem Verlauf sollten Antibiotika unter Berücksichtigung der Resistenzsituation eingesetzt werden. Bei immunsupprimierten Patienten unterscheidet sich das Keimspektrum erheblich vom Spektrum bei Immunkompetenten. Der rechtzeitige Therapiebeginn kann hier u.U. lebensrettend sein.
In Bezug auf Tumorerkrankungen des Darms sind in den letzten Jahren mit den sessilen serratierten Adenomen (SSA) und den traditionellen serratierten Adenomen (TSA) Polypen beschrieben worden, die ein relevantes Entartungspotential aufweisen. Die Morphologie und Differentialdiagnose dieser sowie anderer durch unterschiedliche molekulare Mechanismen der Karzinogenese charakterisierter Kolonläsionen (z.B. hereditäre non-polypöse Kolonkarzinome: HNPCC) soll vorgestellt werden. Das Lebenszeitrisiko für ein kolorektales Karzinom, die zweithäufigste Karzinomerkrankung in Deutschland, liegt bei ca. 6%. Etwa 5-10% aller kolorektalen Karzinome sind monogen bedingt. Man unterscheidet zwischen Polyposis-Syndromen und dem hereditären HNPCC. Beim Vorliegen eines erblichen Dickdarmkarzinoms besteht gegenüber nicht-erblichen Karzinomen ein erhöhtes Risiko eines zweiten Kolonkarzinoms, einer extraintestinalen Tumormanifestation und – bei Polyposis – einer beschleunigten malignen Entartung. Im Falle einer erblichen Karzinomerkrankung ist die Familie in die Vorsorgeempfehlung einzubeziehen.
Aufgrund des extrem heterogenen Krankheitsbildes bei Krebserkrankungen legt die gegenwärtige Forschung und Medikamentenentwicklung den Fokus auf die Entschlüsselung der für das Krebswachstum relevanten zellulären Signalwege und deren gezielte Beeinflussung durch spezifische Wirkstoffe. Die erfolgreiche Übertragung zellbiologischen Wissens auf die komplexe Heterogenität eines Tumors im menschlichen Körper stellt eine der größten Herausforderungen dar. Sie wird im Erfolgsfall die Grundlage zukünftiger effizienter Krebstherapien bilden.