2. Frühjahrssymposium:
Schwangerschaft

Vortragsveranstaltung

Ort

Labor Lademannbogen
Lademannbogen 61
22339 Hamburg

Datum

28.04.2010 um 16:30 Uhr

Anmeldung

Wir bitten Sie uns für die Teilnahmezusage eine E-Mail (info(at)labor-lademannbogen.de) zu schicken oder uns unter der Telefonnummer 040 / 53805-0 zu benachrichtigen. Als Besucher sind Sie an diesem Abend unter der Telefonnummer 040 / 53805-791 zu erreichen.

Hinweis

Die Bewertung des Symposiums mit 7 Punkten ist bei der Fortbildungsakademie der Ärztekammer Hamburg beantragt.

Programm

16:30 Einführung und Übersicht
Dr. W. Cremer


16:45-17:45 Immunologie

16:45 Immunologische Toleranz während der Schwangerschaft
Priv. Doz. Dr. A. Kromminga

17:05 Antiphospholipid-Syndrom
Prof. Dr. E. Gromnica-Ihle

17:35 Diskussion

17:45 Pause, Imbiss


18:00-19:20 Infektiologie

18:00 Infektionen in der Schwangerschaft
Dr. C. Noah

18:20 Antibiotika-Therapie in der Schwangerschaft
Prof. Dr. H. Sahly

18:40 HIV und Schwangerschaft
Hr. S. Hansen

19:10 Diskussion

19:20 Pause, Imbiss


19:30-21:00 Auffälliger Ultraschallbefund

19:30 Chromosomenanalyse bei Risikoschwangerschaften
Priv. Doz. Dr. J. Jenderny

19:50 Ultraschalluntersuchung im 1. und 2. Trimenon bei Risikoschwangerschaften
Dr. A. Neumann

20:20 FFTS und andere Pathologien bei monochorialen Geminigraviditäten
Prof. Dr. K. Hecher

20:50 Diskussion

21:00 Zusammenfassung und Ausblick
Dr. W. Cremer

zum Thema:

Die Schwangerschaft stellt für den gesamten Organismus und damit auch für das Immunsystem eine Ausnahmesituation dar. Das mütterliche Immunsystem toleriert nämlich nicht einfach das fetale Gewebe, sondern immunologische Mechanismen sind aktiv an der Invasion des Trophoblasten in die mütterliche Dezidua beteiligt, die zur Ausbildung der fetomaternalen Grenzfläche führt. Der Aufbau des spezifischen immunologischen Mikromilieus an dieser fetomaternalen Grenzfläche, insbesondere die Expression bestimmter HLA-Typen und die Bildung eines speziellen Cytokinprofils, tragen entscheidend zum Schwangerschaftserfolg bei. Kommt es hierbei zu pathogenetisch relevanten Veränderungen, sind beispielsweise hypertensive Schwangerschaftserkrankungen, fetomaternale Transfusion, intrauterine Wachstumsretardierung oder intrauteriner Fruchttod mögliche Folgen. Andererseits bedingt eine erfolgreiche immunologische Tolerierung des Fetus eine Verschiebung des immunologischen Gleichgewichts, die zum Teil zu einer Abschwächung der systemischen Symptome bei verschiedensten Autoimmunerkrankungen führt.

Eine weitere, die Schwangerschaft bedrohende autoimmune Entität stellt das Antiphospholipid-Syndrom (APS) dar. Diese Erkrankung mit Neigung zu Thrombophilie und/oder rezidivierenden Aborten bei gleichzeitigem Auftreten von Antikörpern gegen Phospholipid-Protein-Komplexe ist ein junges Syndrom, das erst Ende des 20. Jahrhunderts das Interesse von Klinikern und Forschern gefunden hat. Die Erkrankung kann isoliert oder in Verbindung mit anderen Autoimmunerkrankungen auftreten. Es gibt kaum epidemiologische Untersuchungen dazu. Bezüglich Ätiologie und Pathogenese sind noch viele Fragen offen. Seit 2006 liegen neue Klassifikationskriterien für das Syndrom vor, die sich an der zurzeit bestehenden Evidenz orientieren. Das klinische Bild des APS ist sehr mannigfaltig und reicht von Minimalbefunden bis zu vital-bedrohlichen Komplikationen. In der Therapie wird die Antikoagulation favorisiert.

Schwangere Frauen sind generell einem vergleichbaren Erregerspektrum ausgesetzt wie nicht schwangere. Entscheidend ist, dass Infektionen ein erhebliches Risiko für die Schwangerschaft und für das ungeborene Kind darstellen. In Abhängigkeit vom Erreger sowie vom Zeitpunkt der Übertragung können sie zu Abort, einer intrauterinen oder neonatalen Erkrankung, zu Missbildungen oder zu einer persistierenden Infektion führen. Im Rahmen der Mutterschaftsrichtlinien ist daher die Abklärung wichtiger Infektionen vorgesehen. Dazu gehören Syphilis, Röteln, Hepatitis B, Chlamydien-Infektion und HIV. Zur Optimierung der individuellen Vorsorge sind allerdings ergänzende Untersuchungen zur Erfassung weiterer Infektionen, darunter Zytomegalie, Varizellen, Ringelröteln, Toxoplasmose oder Infektionen mit B-Streptokokken (GBS), zu empfehlen. Im Rahmen der Veranstaltung soll ein Überblick über die relevanten Infektionen sowie deren Diagnostik und das nachfolgende Management gegeben werden.

Einige durch Bakterien verursachte Infektionen erfordern eine spezifische Antibiotikatherapie. Die Verwendung von Antibiotika in der Schwangerschaft muss vor dem Hintergrund erfolgen, dass fast alle Antibiotika die Plazenta passieren. Als Entscheidungshilfe kann die Risiko-Gruppen-Einteilung der verschiedenen Antibiotika herangezogen werden. Obwohl es nicht viele Antiinfektiva mit ausgeprägt teratogenem Potential gibt, muss der gewünschte Erfolg stets gegen mögliche unerwünschte Wirkungen für das ungeborene Kind abgewogen werden.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts wird derzeit von etwa 67.000 HIV-infizierten Patienten ausgegangen, darunter ca. 12.000 Frauen, die sich überwiegend im gebärfähigen Alter befinden. 2009 wurde in Deutschland bei 25 Kindern post partum eine HIV-Infektion diagnostiziert. Ohne adäquate Intervention liegt das Risiko einer Mutter-Kind-Übertragung bei ca. 25%. Bei optimalem Management kann die Übertragungsrate allerdings auf unter 2% gesenkt werden. Zu den zentralen Maßnahmen einer effektiven Transmissionsprophylaxe gehören
- eine antiretrovirale Therapie der HIV-positiven Schwangeren mit dem Ziel, die Viruslast unter die Nachweisgrenze zu senken
- eine Schnittentbindung am wehenfreien Uterus
- eine HIV-Postexpositionsprophylaxe für das neugeborene Kind
- der konsequente Stillverzicht.

Einen weiteren Themenschwerpunkt dieses Symposiums stellt der „auffällige Ultraschall“ in der Schwangerschaft dar. Die vorgeburtliche Diagnostik mittels differenzierter sonographischer Untersuchung in der 12. – 14. Schwangerschaftswoche und ggf. erweiterter Sonographie im 2. Trimenon kann frühzeitig Erkrankungen oder Fehlbildungen beim Ungeborenen erfassen. Bei einem erhöhten Risiko für eine Chromosomenveränderung bietet sich eine Chorionzottenbiopsie, eine Amniozentese oder/und eine Chordozentese an. Die Entscheidung, welches dieser Verfahren durchgeführt werden soll, richtet sich nach dem Schwangerschaftsalter und der jeweiligen individuellen Fragestellung. Vorgehensweisen bei Risikoschwangerschaften inklusive Mehrlingsgraviditäten werden dargestellt.