Analysen-Spektrum

Hyperinsulinismus

Kongenitaler Hyperinsulinismus, Hyperinsulinismus-Hyperammonämie-Syndrom

Material

2 ml EDTA-Blut

Verfahren

Stufendiagnostik:

 

Autosomal-rezessiver Erbgang, schwere, neonatale Form:

Nachweis von Mutationen im SUR1-Gen und im Kir6.2-Gen durch PCR und anschließende Sequenzierung

 

Autosomal-dominanter Erbgang, milderer Verlauf:

Nachweis von Mutationen im GCK-Gen und im GLUD1-Gen durch PCR und anschließende Sequenzierung

Klinische Relevanz

Mutationsanalyse

 

- bei Patienten mit persistierenden Hypoglykämien in den ersten Lebensjahren

- bei Patienten mit Hyperinsulinismus-Hyperammonämie-Syndrom

- zur Risikoabschätzung bei familiärer Häufung der o.g. Krankheitsbilder.

Anmerkungen

Der neonatale, kongenitale Hyperinsulinismus auf Grund von exzessiv hoher Insulinsekretion ist eine der häufigsten Ursachen persistierender Hypoglykämien in den ersten Lebensjahren. Die Säuglinge sind bei Geburt häufig makrosom. In den ersten Lebenstagen kann es zu zerebralen Krampfanfällen kommen. Für betroffene Säuglinge besteht das Risiko, im Rahmen einer Hypoglykämie einen bleibenden Hirnschaden zu entwickeln. In der nordeuropäischen Bevölkerung wird die Inzidenz des kongenitalen Hyperinsulinismus auf 1:40 000 geschätzt. Charakteristisch für einen Hyperinsulinismus sind in der Mehrzahl der Fälle ein hoher Glukosebedarf zur Aufrechterhaltung der Euglykämie (meist deutlich >10 mg/kg/min), ein erhöhter Insulinwert in der Hypoglykämie, sowie ein unzureichender Anstieg von freien Fettsäuren und Ketonkörpern in der Hypoglykämie durch eine gehemmte Lipolyse und Ketogenese.

Bei der schweren, neonatalen Form des Hyperinsulinismus sind häufig autosomal-rezessiv vererbte Mutationen im Sulfonylharnstoff-Rezeptorgen (SUR1-Gen) oder im Kir6.2-Gen des ATP-sensitiven Kaliumkanals (KATP) der pankreatischen beta-Zelle nachweisbar. Mutationen im Glucokinase-Gen (GCK-Gen, siehe auch MODY) oder Glutamatdehydrogenase-Gen (GLUD1-Gen) werden autosomal-dominant vererbt und sind mit einem milderen klinischen Verlauf assoziiert. Mutationen im Glutamat-Dehydrogenase-Gen bewirken häufig eine klinisch unauffällige Hyperammonämie (Hyperinsulinismus-Hyperammonämie-Syndrom) und eine Leucin-empfindliche Hypoglykämie.

 

Eine exakte molekulargenetische Differenzierung ist klinisch bedeutsam, da sich, in Abhängigkeit von der nachgewiesenen Mutation, unterschiedliche Therapieansätze ableiten lassen. So sprechen z.B. Patienten mit Defekten des KATP auf Grund von Mutationen im Kir6.2- bzw. Sur1- Gen meist unzureichend auf eine medikamentöse Therapie mit einem Kaliumkanalöffner (z. B. Diazoxid) an. Der dominante Hyperinsulinismus spricht gut auf die Therapie mit Diazoxid an.

Anforderungsscheine

Stand: 24.05.2011

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