Diagnose und Therapie von Immunneuropathien des ZNS
Vortragsveranstaltung
Ort
Labor Prof. Arndt & Partner
Lademannbogen 61
22339 Hamburg
Datum
19.09.2006 um 20:00 Uhr
Anmeldung
Wir bitten Sie uns für die Teilnahmezusage eine E-Mail (info(at)labor-lademannbogen.de) zu schicken oder uns unter der Telefonnummer 040 / 53805-0 zu benachrichtigen. Als Besucher sind Sie an diesem Abend unter der Telefonnummer 040 / 53805-791 zu erreichen.
Hinweis
Die Fortbildungsakademie der Ärztekammer Hamburg hat diese Fortbildungsveranstaltung mit 3 Punkten bewertet.
Programm
20.15 Uhr Dr. A. Lämmel
Begrüßung und Einleitung: Grundlagen der Liquordiagnostik
20.40 PD. Dr. A. Kromminga
Paraneoplastische neurologische Syndrome
21.00 PD. Dr. C. Heesen
Diagnostik und Therapie der multiplen Sklerose
22.00 Uhr Diskussion
22.30 Uhr Ende
zum Thema:
Liquoranalysen sind bei Erkrankungen des ZNS seit langem ein fester Bestandteil der neurologischen Diagnostik. In der Regel wird ein Stufenprogramm durchgeführt, das mit der Bestimmung von Basisparametern wie Zellzahl, Eiweiß und Laktat beginnt. Die von Reiber etablierte weiterführende Liquordiagnostik auf der Grundlage von Liquor/Serum-Quotienten beruht auf dem Modell einer durch ein dynamisches Fließgleichgewicht bedingten Blut-Liquor-Schranke. Eine Störung der physiologischen Liquorzirkulation führt zur Störung der Schrankenfunktion. Auf dieser Erkenntnis aufbauend, soll die Interpretation der aus gepaarten Liquor-Serum-Proben gewonnen Messdaten erläutert werden.
Als paraneoplastische neurologische Syndrome werden Komplikationen von Tumorerkrankungen bezeichnet, die nicht durch den Tumor ausgelöst sind. Auslösend sind häufig Autoantikörper, die durch Antigene des zu Grunde liegenden Tumors induziert werden und durch Reaktion mit den korrespondierenden neuronalen Antigenen neurologische Störungen verursachen. Die Diagnose ist häufig schwierig, weil die neurologischen Zeichen und Symptome nicht spezifisch sind. In 75 % der Fälle wird der Tumor erst nach dem Auftreten der neurologischen Symptomatik erkannt. Weil paraneoplastische Syndrome selten sind, werden sie häufig übersehen. Die Bestimmung von antineuronalen Antikörpern kann den klinischen Verdacht erhärten, und bei gesichertem positivem AK-Nachweis muss mit einer konsequenten Tumorsuche begonnen und eine Tumortherapie eingeleitet werden.
Mit der zunehmenden Etablierung der Kernspintomographie sind die Diagnosekriterien der MS kürzlich überarbeitet worden. Diese machen jetzt auch eine Immuntherapie ab einem klinischen Erstereignis möglich. Nach 10 Jahren der Immuntherapie mit Interferonen und Copaxone zeigen sich deutlich die Grenzen dieser Behandlungsansätze. Insbesondere die degenerative Komponente der Erkrankung ist bis heute wenig verstanden und Responder und Non-Responder der Immuntherapien lassen sich nur klinisch bestimmen. Zahlreiche neue Immuntherapien sind allerdings in Entwicklung. Im Vordergrund stehen hier die oralen, eher unspezifisch immunmodulierenden Therapieansätze, die in ersten klinischen Studien größtenteils erste Wirksamkeitsdaten gezeigt haben. Spezifische Ansätze setzen monoklonale Antikörper gegen Komponenten des Immunsystems ein. Hier wurden kürzlich Studien zum Anti-Integrin Natalizumab publiziert. Bei einem sehr deutlichen Effekt auf Schubrate und Kontrastmittelanreicherungen im MRT traten unter der Kombinationstherapie mit einem Interferon selten schwere Komplikationen auf. Dieser Ansatz zeigt, dass auch hochspezifische Therapiekonzepte unerwartet Komplikationen hervorrufen können, gerade bei einer heterogenen Erkrankung wie der MS. Als invasive immunsuppressive Strategien werden die Plasmapherese und auch die autologe Stammzelltransplantation weiter untersucht. Möglicherweise lassen sich bestimmte Verläufe der MS auch durch sehr einfache Maßnahmen wie Nahrungsmittelergänzung oder Sporttherapie positiv beeinflussen. Regenerative Therapieansätze befinden sich bislang lediglich im tierexperimentellen Stadium.
Zukünftige Therapiestudien müssen vor dem Hintergrund zugelassener, aber teilwirksamer Therapien versuchen, homogenere Patientengruppen zu untersuchen. Sensible Surrogatmarker, wie neue MRT-Techniken, können helfen, Studienlaufzeiten zu verkürzen und so möglichst schnell zu klären, ob eine neue Substanz einen erfolgreichen Ansatz darstellen könnte.