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Oktober 1999

Optimierte Differenzierung der antinukleären Antikörper (ANA) durch Verwendung rekombinanter Antigene zur Differentialdiagnose der Kollagenosen

Definition und klinisches Bild
Kollagenosen stellen eine heterogene Gruppe von systemischen Autoimmunerkrankungen innerhalb des rheumatischen Formenkreises dar. Systemischer und diskoider Lupus erythematodes, progressiv systemische Sklerose (PSS) mit der Unterform des CREST-Syndroms, Mischkollagenosen (mixed connective tissue disease = MCTD und Sharp-Syndrom) und Poly-/Dermatomyositis (PM/DM) bilden unterschiedliche Entitäten dieses Komplexes. Das klinische Erscheinungsbild erstreckt sich mit entzündlichen Veränderungen des Bindegewebes bzw. der interstitiellen Fasern von Haut- und Gelenkveränderungen über eine Beteiligung der inneren Organe bis zu Lungen- und Herzmanifestationen und ZNS-Beteiligungen. Eindeutige Abgrenzungen zwischen den verschiedenen Erkrankungsformen sind nicht immer möglich, da häufig Überlappungs-Syndrome vorkommen. Die ätiologischen und pathophysiologischen Mechanismen sind weitestgehend unbekannt.

Serologische Diagnostik
Der indirekte Immunfluoreszenztest (IFT) auf humanen Hep2-Zellen stellt eine erste Screening-Methode zum Nachweis antinukleärer Antikörper (ANA) im Serum dar. Ein ANA-Titer von < 1 : 80 liegt dabei noch im Normalbereich, bei einem ANA-Titer von 1 : 160 wäre hingegen eine Verlaufskontrolle empfehlenswert. Erst bei einem ANA-Titer von > 1 : 160 sollte die Antigenspezifität unter Berücksichtigung des Fluoreszenzmusters bestimmt werden.

Die nukleoplasmatischen und nukleolären Fluoreszenzmuster beruhen auf sehr komplexen Antigenspezifitäten, die durch Verwendung molekular charakterisierter rekombinanter Proteine exakt bestimmt werden können. So lassen sich im IFT z.B. die sogenannten "nuclear dots" nur schwer von gleichzeitig vorliegenden Antikörper (AK) gegen Zentromere unterscheiden. Durch Einsatz des rekombinanten Sp100, das Hauptantigen der "nuclear dots", und des rekombinanten CENP-B, das Hauptantigen der Zentromere, ist eine Differenzierung hingegen zweifelsfrei möglich. Auch sind AK gegen PM-Scl und AK gegen Scl-70, die beide ein nukleoläres Fluoreszenzmuster bewirken, im IFT nicht unterscheidbar, so daß zur Typisierung ein Immunoassay angeschlossen werden sollte. Cytoplasmatische Antikörper werden im engeren Sinne zwar nicht den ANA zugeordnet, sind jedoch im IFT auf Hep2-Zellen als solche gut erkennbar. Wegen der stark unterschiedlichen Krankheitsassoziationen, die vom SLE bei erhöhten AK gegen die ribosomalen P-Proteine bis zur primär biliären Zirrhose bei erhöhten antimitochondrialen AK (AMA) reichen, ist eine exakte Antigentypisierung auch hier unabdingbar.

Die Bestimmung der Antigenspezifitäten im Immunoassay werden wegen der hohen Sensitivität und Spezifität ausschließlich unter Verwendung der rekombinanten Antigene durchgeführt. Da im Einzelfall erhöhte Autoantikörper auch bei negativen ANA vorliegen können, ist eine Typisierung bei entsprechendem klinischen Verdacht von besonderer differentialdiagnostischer Bedeutung.

Indikationen
Verdacht auf Kollagenosen, SLE, Mischkollagenosen, Sjögren-Syndrom, Sklerodermie, Poly-/Dermatomyositis, Felty-Syndrom, CREST-Syndrom.

Material: 1 ml Serum

Antigenspezifität Krankheitsassoziation
Nukleoplasma
Ribonukleoproteine (RNP)
95 %
20 %
Mischkollagenose (MCTD)
SLE
Smith Antigen B (SmB) 25 - 35 %
30 - 40 %
SLE
Sjögren-Syndrom
SSA (58 + 52 kD) 70 - 95 %
25 - 40 %
50 - 60 %
Sjögren-Syndrom
SLE
Mischkollagenose (MCTD)
SSB 50 - 70 %
20 - 50 %
Sjögren-Syndrom
SLE
PCNA 3 % SLE
Sp100 30 % Primär biliäre Zirrhose (PBC)
Zentromere (CENP-B) 80 %
25 - 40 %
CREST-Syndrom
Progressive systemische Sklerose (PSS)
(limitierte Form)
Nukleolus
Scl-70 (DNA-Topoisomerase I)
25 - 75 % Progressive systemische Sklerose (PSS)
(diffuse Form)
Scl-34 (Fibrillarin) 5 - 10 % Progressive systemische Sklerose (PSS)
(diffuse Form)
PM-Scl 50 - 70 % Poly-/Dermatomyositis-Sklerodermie-
Überlappungssyndrom
Poly-/Dermatomyositis
Progressive systemische Sklerose (PSS)
(diffuse Form)
Ku 10 %
50 %
SLE
Poly-/Dermatomyositis-Sklerodermie-
Überlappungssyndrom
Cytoplasma
Antimitochondriale Antikörper (AMA)
95 % Primär biliäre Zirrhose (PBC)
LKM1 (Cytochrom P450 2D6) 100 % Autoimmune Hepatitis Typ II
Ribosomales P-Protein 10 - 20 %
75 %
SLE
SLE mit ZNS-Beteiligung
Jo-1 (Histidyl-tRNA-Synthetase) 25 - 35 % Poly-/Dermatomyositis

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