Aktuelle Labordiagnostik

Spinale Muskelatrophien

Juli 2000

Klinische Relevanz und Häufigkeit

Die spinalen Muskelatrophien stellen eine heterogene Krankheitsgruppe dar, die nach dem klinischen Bild und dem Erkrankungsbeginn in verschiedene Formen eingeteilt wird. Von besonderer klinischer Bedeutung sind die proximalen spinalen Muskelatrophien des Kindesalters (SMA), die mit einer Inzidenz von mehr als 1 : 10.000 zu den häufigsten autosomal rezessiv vererbten Erkrankungen gehören. Nach dem internationalen SMA-Consortium (1992) werden drei Typen unterschieden:

SMA I Typ Werdnig-Hoffmann Beginn in den ersten Lebensmonaten,freies Sitzen ist nie möglich
SMA II intermediärer Typ Beginn in den ersten beiden Lebensjahren; Sitzen wird erlernt, Gehen jedoch nicht.
SMA III Typ Kugelberg-Welander Beginn meist nach dem zweiten Lebensjahr; freies Laufen wird erlernt, IIIa: Beginn < 3 Jahren, IIIb: Beginn > 3 Jahren

Klinisch zeigt sich bei der SMA Typ I und II eine ausgeprägte Muskelatrophie, Muskelhypotonie (floppy infant), Bewegungsarmut, Kontrakturen, Skoliose, Ateminsuffizienz. Bei früher Manifestation tritt der Tod oft innerhalb des ersten Lebensjahres ein, bei Typ II werden auch Krankheitsverläufe über Jahre bis Jahrzehnte beschrieben. Die milder verlaufende SMA III ist durch eine progrediente Muskelschwäche, Faszikulationen, Gehstörungen und sekundäre Gelenkkontrakturen gekennzeichnet. Die Lebenserwartung ist - wenn überhaupt - nur geringfügig eingeschränkt.

Genetik

Bei 90 - 98 % aller SMA-Patienten zeigen sich bei der molekulargenetischen Untersuchung homozygote Deletionen des auf dem langen Arm von Chromosom 5 gelegenen SMN-Gen (survival motor neuron gene), wobei es mit der Deletionsanalyse nicht möglich ist, heterozygote Anlageträger von Kontrollpersonen zu unterscheiden. Die Deletionen lassen sich an den Exons 7 und 8, seltener auch nur an Exon 7 nachweisen.

Diagnostik

Die Mutationsanalyse erfolgt durch den Ausschluß bzw. Nachweis einer Deletion der Exons 7 und 8 im SMN-Gen.

Material:

2 - 5 ml EDTA-Blut (SMA-Gen-Mutationsanalyse)
Wangenschleimhautabstrich (bei Neugeborenen)