Aktuelle Labordiagnostik

Hypertonie-Diagnostik I Diagnostik von Tumoren des sympathoadrenalen Systems

Juli 2000

Zu den Tumoren des sympatho-adrenalen Systems zählen das Phäochromozytom, das Phäochromoblastom, das Neuroblastom, aber auch Ganglioneurome, Melanoblastome u.a.. Diese Tumore bedingen in der Mehrzahl der Fälle eine stark erhöhte Synthese und Freisetzung der Katecholamine (Noradrenalin NA, Adrenalin A, Dopamin DA) und ihrer basischen (Normetanephrin NMN, Metanephrin MN) und sauren (Vanillinmandelsäure VMS, Homovanillinsäure HVS) Metabolite. Daraus resultiert eine erhöhte Konzentration dieser Substanzen im Plasma bzw. eine erhöhte Ausscheidung im Urin.

Biochemie

Die für die Diagnostik herangezogenen Parameter entstehen im Prinzip über folgenden Synthese- und Abbauweg: Tyrosin ® DOPA ® Dopamin (Abbauprodukt Homovanillinsäure) ® Noradrenalin (Abbauprodukt Normetanephrin) ® Adrenalin (Abbauprodukt Metanephrin). Gemeinsames Abbauprodukt von Normetanephrin und Metanephrin ist Vanillinmandelsäure.

Indikation

Eine Bestimmung der Katecholamine und ihrer Metabolite ist indiziert bei Verdacht auf oben genannte Tumoren oder bei arterieller Hypertonie (episodenhafte Blutdrucksteigerung, therapieresistente Blutdruckerhöhung) sowie bei Inzidentalomen, als postoperative Kontrolle oder bei familiärer Prädisposition (multiple endokrine Neoplasie).

Vorgehensweise

  1. Laboruntersuchungen der Katecholamine und ihrer Metabolite
  2. Lokalisationsdiagnostik
  3. ergänzend ggf. Clonidin-Suppressionstest oder Glucagon-Stimulationstest

Analysentechnik

Die Messung und Auftrennung der Katecholamine und ihrer basischen und sauren Metabolite erfolgt pro Substanzgruppe jeweils mittels einer spezifischen HPLC (Hochleistungsflüssigchromatographie)-Methode.

Spezifität und Sensitivität

Die Konzentrationen bzw. Ausscheidungsmuster der Katecholamine und ihrer Metabolite sind sowohl intra- als auch interindividuell sehr unterschiedlich. In der Literatur findet man Angaben zur Spezifität (Anteil der korrekt klassifizierten Gesunden) für die Katecholamine, die sauren Metabolite und Metanephrine im Urin von jeweils 95 - 100 %, jedoch liegt die Sensivität (Anteil der korrekt klassifizierten Kranken) bei nur jeweils 50 - 90 %. Das bedeutet, daß eine normale oder grenzwertige Ausscheidung einer Substanz oder einer Substanzgruppe das Vorhandensein eines Tumors nicht ausschließt!

Eine Erhöhung der Sensitivität auf nahezu 100 % läßt sich jedoch dadurch erreichen, daß statt der Messung nur einer alle drei Substanzklassen gleichzeitig untersucht werden. Bei Beachtung der speziellen Abnahmebedingungen sollte dies ggf. an 2 oder 3 Tagen hintereinander erfolgen.

Die gegenwärtig diskutierten Alternativen Chromogranin A und Neuropeptid Y bringen mit Sensitivitäten von ca. 70 % bzw. 34 % für Routineuntersuchungen keinerlei Vorteile.

Material:

Die Messung der Katecholamine und ihrer Metabolite im angesäuertem 24 Std. Urin ist die Methode der Wahl. Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen (bzw. unklarer Situation) sollten jedoch vorzugsweise bzw. ergänzend die Katecholamine im Plasma untersucht werden. (Abnahmebedingungen siehe Aussendung "Hypertonie-Diagnostik II" Nr.4/00)