Aktuelle Labordiagnostik
Saquinavir - Monitoring: Eine Möglichkeit zur Erhöhung des Therapieerfolges in der antiretroviralen-Therapie
Oktober 1999
Metabolismus, Phamakokinetik
Saquinavir, SQV (Invirase®,Fortovase®- Hoffmann-La Roche), war der erste Vertreter der Protease-Inhibitoren, die kombiniert mit RT-Inhibitoren in der hochwirksamen antiretroviralen Therapie (HAART) eingesetzt werden. SQV ist zu 97 % an Plasmaproteine gebunden und wird durch das Cytochrom P450-3A4-Isoenzym metabolisiert. Obwohl SQV seit etwa 2,5 Jahren auf dem Markt ist, gibt es immer noch keine allgemein verbindlichen Dosierungsempfehlungen, die für die Therapie in jeder individuellen Situation optimal sind. Als Gründe dafür sind vor allem folgende Faktoren anzusehen: Die Bioverfügbarkeit des SQV ist sehr niedrig (z.B. bei Invirase®-Monotherapie nur 3 - 8 %); sie hängt zudem stark von der Fett- und Proteinaufnahme bzw.-status, von der Leberfunktionsfähigkeit und von der Co-Medikation ab. Medikamente, die wie SQV die Aktivität des CYP3A4-Isoenzyms inhibieren, erhöhen die Bioverfügbarkeit von SQV (Ritonavir, Indinavir, Nelfinavir, Clarithromycin, Erythromycin, Delavirdin, Ketoconazol, Fluconazol u.a.m.). Medikamente, die CYP3A4 induzieren, vermindern jedoch die Bioverfügbarkeit von SQV (Nevirapin, Rifabutin, Rifampin, Phenobarbital, Phenytoin, Carbamazepin, Dexamethason u.a.m.). Die Pharmakokinetik des SQV besitzt nichtlinearen Charakter und zeigt große individuelle Schwankungen. Um einen guten Therapieerfolg zu erzielen und die Entwicklung von Resistenzen zu vermeiden, ist eine möglichst vollständige Hemmung der Virusreplikation anzustreben. Diese vollständige Hemmung läßt sich jedoch nur durch eine ausreichend große wirksame Medikamentenkonzentration erreichen. Um dies zu gewährleisten, ist eine SQV-Spiegelbestimmung zu empfehlen.
Probenahme
Zur optimalen Medikation empfehlen wir - anfangs und von Zeit zu Zeit - die Aufnahme einer individuellen Patientenkinetik innerhalb eines Dosierungsintervalls. Aus diesen Daten kann dann der Zeitpunkt für spätere Einpunktmessungen ermittelt werden. (Erste Blutabnahme nüchtern am Morgen, dann Morgendosis SQV zusammen mit dem gewohnten Frühstück; dann Blutabnahme alle 2 Std. bis zur nächsten Dosis; alle weiteren Medikamente müssen wie üblich eingenommen werden).
Begleituntersuchungen
Die für die Einschätzung des Erkrankungsstatus des Patienten wichtigsten Laborparameter sind die quantitativen Bestimmungen der CD4+-Lymphozyten und der HIV-RNA (Bestimmung zum Zeitpunkt der Diagnosestellung der HIV-Infektion und anschließend alle 2 - 4 Monate). Vor Therapiebeginn empfiehlt sich weiterhin eine Laboruntersuchung nach biochemischen Abnormitäten. Vor allem die Triglyceride sollten bei einer SQV-Therapie periodisch überwacht werden.
Normalwerte
Normalwerte für SQV-Plasmakonzentrationen werden von der Fa. Roche nicht angegeben. In neuesten Studien wurden die besten Therapieerfolge bei Patienten erzielt, deren Talspiegelkonzentrationen immer über 50 µg/l SQV lagen. Literaturangaben bei Dosierung von 3 x 1200 mg FortovaseÒ: Talspiegel: 220 ± 180 µg/l, Maximalkonzentration: ca. 2200 µg/l
Material:
5 ml EDTA-Blut bzw. 2 - 3 ml Plasma
(Material darf auf keinen Fall mit Glasgefäßen in Berührung kommen, ausschließlich Kunststoffröhrchen benutzen!).
Die Analyse erfolgt mittels HPLC-Technik.
Weitere Informationen können angefordert werden.