Aktuelle Labordiagnostik

Einfluß der terminalen Niereninsuffizienz auf die PSA-Bestimmung

Oktober 1999

Einleitung

Das Prostatakarzinom stellt das häufigste urologische Malignom des Mannes und in Europa die zweithäufigste Tumortodesursache nach dem Bronchialkarzinom dar. Im Rahmen der Erstdiagnose sowie auch der Verlaufskontrolle von Prostatakarzinomen hat sich die PSA-Bestimmung als sinnvoll erwiesen. Das wesentliche diagnostische Problem liegt in der Differenzierung zwischen (lokalisierten) Prostatakarzinomen und benigner Prostatahyperplasie (BPH), deren Inzidenz mit steigendem Alter in gleicher Weise zunimmt. Insbesondere in dem wichtigen PSA-Intervall von 4,0 - 10,0 ng/ml, in dem sich 60 bis 80 % aller erhöhten PSA-Konzentrationen befinden, ist die Diskriminierung zwischen BPH und Prostatakarzinomen besonders problematisch (niedrige Spezifität).
Die Serinprotease PSA liegt im Serum zu ca. 60 - 90 % an Proteaseinhibitoren gebunden und nur zu ca. 10 - 40 % als freies PSA vor. Die wesentlichen Proteaseinhibitoren stellen α1-Antichymotrypsin (ACT) sowie α2-Makroglobulin (α2-MG) dar, wobei zur Zeit nur der Komplex PSA-ACT immunologisch nachweisbar ist. Eine Verbesserung der Diskriminierung zwischen malignen und benignen Prostataerkrankungen ist durch die quantitative Bewertung der unterschiedlichen PSA-Isoformen möglich. Bei Prostatakarzinomen liegt PSA in einem höheren Anteil komplexiert vor, während der Anteil des freien PSA bei benignen Erkrankungen höher ist. Nach Berechnung der PSA-Ratio, d.h. freies PSA/Gesamt-PSA, konnte gezeigt werden, daß 83 % der Patienten mit einem Prostatakarzinom eine Ratio kleiner als 0,2 und 52 % der BPH-Patienten eine höhere Ratio aufwiesen.

Besondere Situation bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz

Für den ca. 100 kDa-Komplex aus PSA und ACT, Halbwertszeit 2,2 ± 0,8 Tage, wird ein hepatischer Abbau beschrieben. In mehreren Studien (Kabalen und Hornberger 1991, Monath et al. 1993 sowie Harper et al. 1995) an Patienten mit dialysepflichtiger Niereninsuffizienz ließ sich entsprechend kein signifikanter Einfluß auf das Gesamt-PSA (besteht hauptsächlich aus PSA-ACT) nachweisen. Honda et al. (1996) berichteten jedoch über eine signifikant negative Korrelation zwischen PSA und (α2-MG bei über 50jährigen Patienten. Hohe (α2-MG-Konzentrationen maskieren vermutlich das PSA-Molekül und führen so zu falsch niedrigen Werten. Relevanz könnte diese Beobachtung insbesondere bei Patienten mit nephrotischem Syndrom gewinnen.Aufgrund des geringen Molekulargewichtes von ca. 30 kDa wird für das freie PSA, Halbwertszeit 110 Minuten, vorwiegend eine renale Elimination diskutiert, so daß eine Akkumulation bei sinkender glomerulärer Filtrationsrate wahrscheinlich ist. In einer ersten Studie zeigten Douville und Tiberi (1998) einen im Vergleich zum Kontrollkollektiv signifikant höheren Anteil an freiem PSA bei 48 Patienten mit terminaler dialysepflichtiger Niereninsuffizienz (Gesamt-PSA < 4 ng/ml). Eine signifikante Korrelation des freien PSA zum Kreatinin oder Harnstoff konnte nicht nachgewiesen werden.

Unter Berücksichtigung der bisherigen Studienergebnisse ist bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz insbesondere die Beurteilung einer erhöhten PSA-Ratio nur unter Vorbehalt möglich.

s. a. Aussendung "7/96 Verbesserte Differenzierung zwischen Prostatakarzinom (PCA) und benigner Postatahyperplasie (BPH) durch Bestimmung von freiem und komplexiertem prostataspezifischen Antigen"

Literatur:

P. Douville, M. Tiberi; Effect of terminal renal failure on the ratio of free to total prostate-specific antigen; Tumor Biol. 1998; 19:113-117