Aktuelle Labordiagnostik
Durchflußzytometrischer Nachweis fetaler Erythrozyten - eine Alternative zum Kleihauer-Bethke-Test
Oktober 1999
Der Nachweis und die Quantifizierung fetaler Erythrozyten dient primär zum Nachweis von fetomaternalen Transfusionen (FMT). Während der normalen Schwangerschaft ist der Übertritt von 0,1-0,2 ml fetalen Blutes in den mütterlichen Kreislauf die Regel. Eine Standard-Dosis Rh-Immunglobulin von 300 µg anti-D ist ausreichend um eine Immunisierung zu verhindern, wenn nicht mehr als 30 ml fetalen Vollblutes in den mütterlichen Kreislauf gelangen. Fetomaternale Makrotransfusionen von 30 ml und mehr haben eine Häufigkeit von 0,6 %. FMT laufen meist symptomlos ab, können den Feten jedoch aufgrund der Anämie erheblich gefährden.
Die Bestimmung von fetalen Erythrozyten sollte erfolgen, wenn der Verdacht auf eine fetomaternale Makrotransfusion (> 30 ml) besteht, z.B. bei Neugeborenenanämie, Hydrops fetalis und intrauterinem Fruchttod. Die Gabe von Anti-Rh(D) Immunglobulin muß dann der fetalen Blutmenge im mütterlichen Kreislauf angeglichen werden (10 µg/ml fetales Blut). Die Therapiekontrolle kann einerseits aufgrund der Abnahme der fetalen Erythrozyten im mütterlichen Blut am 3. und 7. Tag nach Entbindung erfolgen. Eine Alternative hierzu ist der Nachweis von überschüssigen Rh(D)-Antikörpern im indirekten Coombs-Test.
Darüber hinaus findet der Nachweis fetaler Erythrozyten zunehmend Anwendung als Bestätigungstest für Nabelschnurpunktionen und zur Abklärung von blutigem Fruchtwasser bei Amniozentesen und bei vaginalen Blutungen während der Schwangerschaft.
Testverfahren
Das klassische Verfahren zum Nachweis fetaler Erythrozyten ist der Kleihauer-Bethke-Test, bei dem nach selektiver Elution eine Anfärbung und mikroskopische Auszählung fetaler Erythrozyten erfolgt. Vergleichende Studien haben jedoch gezeigt, daß dieser Test eine ungenügende Standardisierung aufweist. Bei der Quantifizierung von fetalen Erythrozyten in verschiedenen Laboren fanden sich mit dieser Methode Ergebnisunterschiede von mehr als 500 %. In den letzten Jahren wurden daher methodische Alternativen entwickelt, die auf dem Nachweis von fetalen oder Rh-D+ Erythrozyten mit Hilfe der Durchflußzytometrie basieren. Durch den Einsatz monoklonaler AK gegen fetales Hämoglobin ist eine standardisierte und reproduzierbare Quantifizierung fetaler Erythrozyten bis zu 0,05 % möglich. Die durchflußzytometrischen Resultate der FMT-Quantifizierung zeigen eine sehr enge Korrelation zum Kleihauer-Bethke-Test. Der entscheidende Vorteil der Durchflußzytometrie liegt dabei in der Anwendung eines automatisierten und standardisierten Meß- und Auswerteverfahrens, das eine reproduzierbare Quantifizierung der FMT gewährleistet.
Indikation
- Verdacht auf fetomaternale Makrotransfusion
- Kontrolle der Anti-D-Prophylaxe
- Nachweis fetaler Erythrozyten bei Vaginalblutungen während der Schwangerschaft
- Kontrolle von blutigem Fruchtwasser bei Amniozentese
- Bestätigungstest bei Nabelschnurpunktionen
- vaginale Blutungen in der Schwangerschaft
Material:
- EDTA-Blut
- Fruchtwasser
- Nabelschnurblut