Aktuelle Labordiagnostik
Bestimmung des Merkmals "D" des Rhesusfaktors aus Fruchtwasser bzw. kultivierten Amnionzell
Oktober 1999
Seit der Einführung der postpartalen Rhesusprophylaxe in den 60er Jahren ist die Häufigkeit der Erythroblastose, die auf einer Rhesus-Inkompatibilität zwischen Mutter und Kind beruht, deutlich zurückgegangen. Mit Einführung der präpartalen Rhesusprophylaxe erhofft man, diese Zahl noch weiter senken zu können. Da die präpartale Rhesusprophylaxe noch nicht flächendeckend zur Anwendung kommt und auch bei korrekter Anwendung eine gewisse, wenn auch geringe, Zahl von sogenannten "Therapieversagern" vorkommt, sind gelegentlich auch heute noch Sensibilisierungen gegen Rhesuseigenschaften, insbesondere gegen das Merkmal "D" festzustellen. Durch die starke Zuwanderung aus dem Ausland ist in den letzten Jahren die Inzidenz in Deutschland wieder gestiegen.
Ein bei der Mutter nachgewiesener Antikörper gegen das Merkmal "D" des Rhesuskomplexes kann nur dann Bedeutung für das Kind haben, wenn das korrespondierende Antigen "D" bei der Mutter fehlt, beim Kindsvater nachzuweisen ist und dieser es auf das Kind vererbt hat. Zur Risikoeinschätzung sind die serologisch zur Verfügung stehenden Untersuchungsmöglichkeiten nur begrenzt zu verwerten:
- Ein Titeranstieg des Rhesusantikörpers bei der Mutter ist nur dann diagnostisch verwertbar, wenn dieser Antikörper in der betreffenden Schwangerschaft neu aufgetreten ist.
- Eine Risikoabschätzung mittels Bestimmung der Rhesusformel des Kindsvaters (sofern er zur Verfügung steht und mit hinreichender Sicherheit als solcher infrage kommt) ist nur bedingt möglich, weil serologisch nicht festgestellt werden kann, ob das Merkmal "D" in homozygoter oder heterozygoter Form vorliegt. So kann anhand der Rhesusformel nur mit Hilfe populationsgenetischer Verteilungsstatistiken die Wahrscheinlichkeit angegeben werden, mit der bei einer bestimmten Rhesusformel Homo- oder Heterozygotie für das Merkmal "D" vorliegt.
- Bisher konnte bei entsprechender Risikokonstellation (z.B. Anti-D Titer > 1 : 64) bei der Mutter mangels klinischer und sonographischer Kriterien zur Diagnosesicherung nur die Bestimmung des Hämoglobinwertes, der Blutgruppe und der Rhesusformel des Kindes ab etwa der 20. Schwangerschaftswoche aus einer per Nabelschnurpunktion gewonnenen kindlichen Blutprobe erfolgen.
Jetzt bieten wir Ihnen die Möglichkeit, den Rhesusfaktor des Kindes aus einer Fruchtwasserprobe mittels PCR-Technik zu bestimmen. Wir benötigen dazu 2 ml Fruchtwasser. Alternativ kann diese Bestimmung auch aus kultivierten Amnionzellen erfolgen, falls eine solche Anzucht zur Durchführung von anderen Untersuchungen erforderlich ist und gemacht wird.
Material:
2 ml Fruchtwasser