Aktuelle Labordiagnostik

Bestimmung des Kell-Faktors aus Fruchtwasser bzw. kultivierten Amnionzellen

Oktober 1999

Das erythrozytäre Antigen "Kell" ist nach dem Rhesus-Merkmal "D" das zweitstärkste immunogene Antigen der roten Blutzellen. Bei der Transfusion eines Kell-positiven Erythrozytenkonzentrates auf (einen) Kell-negativen Empfänger ist in 5 - 10 % mit der Bildung eines Allo-Antikörpers der Spezifität anti-Kell zu rechnen. Entsprechend der Literatur entfallen etwa zwei Drittel aller Antikörper gegen erythrozytäre Antigene, die nicht gegen Merkmale des Rhesus-Systems gerichtet sind, auf Antikörper gegen den Kell-Faktor.

Antigenverteilung im Kell-System der mitteleuropäischen Bevölkerung:
8,8 % Kell-positiv (Kk)
0,2 % Kell-positiv (KK)
91,0 % Kell-negativ (kk)

Das Kell-Antigen ist bei Geburt voll entwickelt und konnte schon bei 10 Wochen alten Feten nachgewiesen werden.
Bei 80 - 90 % aller gegen das Merkmal Kell immunisierten Frauen gibt es eine positive Transfusionsanamnese. Da früher auf eine Kell-kompatible Transfusion keinen Wert gelegt wurde und auch heute noch nicht überall Kell-kompatibel transfundiert wird, ist aufgrund der steigenden Transfusionszahlen auch mit einer Zunahme von Frauen mit Kell-Antikörpern zu rechnen.

Ein bei der Mutter nachgewiesener Antikörper gegen das Kell-Merkmal kann nur dann Bedeutung für das Kind haben, wenn das korrespondierende Antigen "Kell" bei der Mutter fehlt, beim Kindsvater nachzuweisen ist und dieser es auf das Kind vererbt hat. Zur Risikoeinschätzung sind die serologisch zur Verfügung stehenden Untersuchungsmöglichkeiten nicht oder nur begrenzt zu verwerten:

  1. Antikörper der Spezifität anti-Kell sind in der Lage, schwere Erythroblastosen zu verursachen, häufig bis zum Hydrops oder einer Fehlgeburt.
  2. Es gibt keine Korrelation zwischen der Schwere der Erkrankung und der Titerhöhe.
  3. Ein Titeranstieg bei der Mutter kann trotz Erkrankung des Kindes ausbleiben.
  4. Es gibt keinen "kritischen" Titer wie beim Rhesus-Anti-D, der als Indikation zur Amniozentese verwertbar wäre.
  5. Die Bestimmung der Merkmale Kell (K) und Cellano (k) des Kindsvaters (sofern er zur Verfügung steht und mit hinreichender Sicherheit als solcher in Frage kommt) ist aufgrund der Antigenverteilung in der Bevölkerung (siehe oben) nur bedingt hilfreich: von 42 Kell-positiven Männern sind 41 heterozygot für das Merkmal Kell, so daß 50 % der Kinder Kell-positiv und 50 % Kell-negativ werden.
  6. Antikörper der Spezifität anti-Kell haben einen anderen Einfluß auf die erythrozytären Vorläuferzellen als Antikörper der Spezifität anti-D: Sie verursachen eine im Verhältnis stärkere Anämie und einen eher geringeren Ikterus. Die bei der Rhesus-Inkompatibilität übliche Bestimmung des "Liley-Index" aus Fruchtwasser (Delta OD 450) ist daher bei einer Kell-Erythroblastose nicht oder nur sehr bedingt anwendbar.
  7. Bisher konnte bei entsprechender Risikokonstellation (Anti-Kell bei der Mutter nachweisbar und Kell-positivem Kindsvater) mangels klinischer und sonographischer Kriterien zur Diagnosesicherung nur die Bestimmung des Hämoglobinwertes, der Blutgruppe, der Rhesusformel, und des Kell-Faktors des Kindes ab etwa der 20. Schwangerschaftswoche aus einer per Nabelschnurpunktion gewonnenen kindlichen Blutprobe erfolgen.

Jetzt bieten wir Ihnen die Möglichkeit, den Kell-Faktor des Kindes aus einer Fruchtwasserprobe mittels PCR-Technik zu bestimmen. Wir benötigen dazu 2 ml Fruchtwasser. Alternativ kann diese Bestimmung auch aus kultivierten Amnionzellen erfolgen, falls eine solche Anzucht zur Durchführung von anderen Untersuchungen erforderlich ist und gemacht wird.

Material:

2 ml Fruchtwasser oder Nabelschnurblut