Aktuelle Labordiagnostik
5-S-Cysteinyl-DOPA: ein optimierter Marker der Melanom-Progression Entscheidende Verbesserung der Spezifität und Sensitivität dieses Melanom-Markers durch optimale Abnahme in der Praxis und verbesserte Analytik im Labor
Oktober 1999
Klinische Bedeutung
Inzidenz und Mortalität des malignen Melanoms steigen weltweit stark an. In Deutschland liegt die Inzidenz derzeit bei ca. 15 von 100.000 Einwohnern. In den nächsten 10 - 15 Jahren muß von einer Verdoppelung der Häufigkeit ausgegangen werden.
Biochemische Grundlagen
Von Melanozyten als auch von Melanomzellen werden zwei verschiedene Typen von Melaninpigmenten - Phäomelanin und Eumelanin - gebildet. Tyrosinase, ein für Melanozyten und Melanomzellen spezifisches Enzym katalysiert die Oxydation der Aminosäure Tyrosin zu DOPA und weiter zu Dopachinon. In Gegenwart von Cystein oder Glutathion reagiert Dopachinon zu 5-S-Cysteinyl-DOPA (5-SCD), wobei der Hauptanteil dieser Verbindung zu Phäomelanin oxidiert. Kleine Anteile von 5-SCD gelangen in den Blutkreislauf, werden in der Leber teilweise methyliert und mit dem Urin ausgeschieden. Auch wenn der Mechanismus der verstärkten Bildung von 5-SCD in Melanomzellen noch nicht vollständig geklärt ist, ergeben sich aus dem Anstieg von 5-SCD im Blut und Urin Hinweise zum Nachweis, Metastasierung und Progression des Melanoms.
Indikation
Durch eine Optimierung der Probengewinnung und einer stark verbesserten Analysentechnik ist es uns zusammen mit der Universitätshautklinik Kiel gelungen neben der sehr hohen Spezifität auch die Sensitivität dieses Tumormarkers deutlich zu erhöhen. In einer mit der Universitätshautklinik Kiel durchgeführten Studie* konnte gezeigt werden, daß 86 % der Melanompatienten im Stadium IV erhöhte 5-SCD-Werte im Plasma aufweisen. Die frühe Erkennung einer Tumorprogression ist entscheidend für die Prognose des Melanompatienten. Weder das klinische Bild des Patienten noch bildgebende Verfahren, noch andere Tumormarker (z.B. S100) detektieren die Metastasierung früher bzw. reflektieren die Prognose besser, als eine Bestimmung von 5-SCD im Plasma.
Hinweise zur Durchführung und Interpretation
Plasma-5-SCD zeigt die Melanomprogression meist früher und empfindlicher als Urin-5-SCD, wobei es manchmal durchaus sinnvoll sein kann eine Urinanalyse ergänzend durchzuführen. Wichtig sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen, um die Dynamik des Anstiegs erkennen zu können. Die 5-SCD-Konzentration und Ausscheidung ist im Sommer höher als im Winter, wird jedoch von individuellen Schwankungen überlagert und bleibt meist innerhalb der Normwerte. Medikamente, die in den DOPA-Metabolismus eingreifen (z.B. Levodopa oder Carbidopa) oder Medikamente, die die Melanozytenaktivität beeinflussen (z.B. Chloroquin) verändern auch die Konzentration und die Ausscheidung von 5-SCD im Plasma und Urin und sollten daher nach Möglichkeit vorher abgesetzt werden. Geschlecht, Haar- und Hautfarbe bzw. Hauttyp haben keinen Einfluß auf die 5-SCD-Konzentration in Plasma und Urin.
Abnahmebedingungen:
siehe Laborinformation "Hinweise zur Probenahme und Lagerung für 5-S-Cysteinyl-DOPA", Nr. 5/99
Material:
- 3 ml|Spezial-Plasma
- 10 ml|aus 24 Std. Urin, angesäuert und mit Stabilisator
* Literatur: J. Hartleb, Y. Damm, R. Arndt, E. Christophers, E. Stockfleth (1999): Determination of 5-S-cysteinyldopa in plasma and urine using a fully automated solid-phase extraction-high-perfomance liquid chromatofgraphic method for an improvement of specifity and sensitivity of this prognostic marker of malignant melanoma, Journal of Chromatography B, 727, 31-42